Statement Stuttgarter Stadtdekan

Wohin steuert der Synodale Weg?

In seinem Essay "Was ist los mit der katholischen Kirche in Deutschland?" analysiert der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes den Synodalen Weg, die Krise des deutschen Episkopats und die Krise der katholischen Kirche in Deutschland. In dem Text, der in der Stuttgarter Zeitung am 24. September erschienen ist, kommt der Stuttgarter Stadtdekan zu dem Schluss: "Die beim Synodalen Weg gründlich und theologisch verantwortlich erarbeiteten Vorschläge werden die Entwicklung nicht drehen, auch weil niemand weiß, was davon wo und wie wirksam wird. Aber dort, wo Kirche für die Menschen da ist, wird sie leben. Wo sie Opfer wahrnimmt und für die eintritt, die nach Gerechtigkeit hungern, ist sie in der Spur Jesu. Wo Christinnen und Christen für Würde und Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Frieden, für Solidarität und die Bewahrung der Schöpfung eintreten, ist lebendig, woran sie glaubt."

Angesichts der Austritte müssen alle Alarmglocken läuten

Die Austrittswelle, die die katholische Kirche derzeit erlebt, mahnt die Kirchenoberen zu handeln: "Jetzt sehen wir plötzlich, dass die Mittfünfziger austreten. Es gehen Menschen, die schon lange dabei sind." Er selbst kenne Menschen, die sagten, mit dem Austritt ihren "christlichen Glauben" retten zu wollen. "Spätestens da müssen doch alle Alarmglocken angehen", so Hermes gegenüber dem SWR, der im September eine zu den Gründen für die Kirchenaustritte veröffentlicht hat. 

Rigide Sexualmoral, die an der Lebenswirklichkeit vorbeigeht

Mit Blick auf den Eklat bei der vierten Synodalversammlung kritisiert Christian Hermes: "Die Bischöfe, die ohne Ankündigung mit Nein gestimmt haben, sind auf eine sehr feige Weise vorgegangen. Sie haben ihre Kritik im Vorfeld nicht artikuliert, haben keinerlei Änderungsanträge eingebracht", so der Stuttgarter Stadtdekan gegenüber dem SWR. "Die Kritiker haben die Vollversammlung via Abstimmung ins offene Messer laufen lassen", sagte Hermes. Dabei sei seit Jahrzehnten offensichtlich, dass die rigide Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbeigehe.

Vertrauen in die Bischofskonferenz beschädigt

Gegenüber der Stuttgarter Zeitung spricht Christian Hermes von unethischen Verhalten und einer schweren Beschädigung des Vertrauens der Bischofskonferenz: "Das unethische war, dass diese Minderheit sich gar nicht am Diskurs zur Sexualmoral beteiligt hat. Man hätte auch am Freitag noch etwas sagen können, um den Beschluss in eine dritte Lesung zu bekommen. Aber dann in der Abstimmung zu sagen, ich halte den Mund und drücke auf nein, das halte ich für hinterhältig und verantwortungslos. Zudem ist es eine schwere Beschädigung des Vertrauens der Bischofskonferenz." In dem Interview mit der Stuttgarter Zeitung fragt Hermes: "Haben wir noch Zeit zur Wende? Oder sagen wieder viele: Von dieser Kirche erwarte ich gar nichts mehr. Wir können uns nicht mehr auf überkommene Privilegien verlassen. Alles steht zur Disposition. Wir müssen alles gut begründen und vermitteln."

Stadtdekan Christian Hermes hatte in Interviews mit der Stuttgarter Zeitung und mit dem SWR bereits vor Beginn der vierten Vollversammlung vor einem Gau durch die Sperrminorität der Bischöfe gewarnt. 

Sich nicht einbringen, dann aber mit Nein stimmen

Auch gegenüber der Deutschen Welle spricht der Stuttgarter Stadtdekan von der "Feigheit und Faulheit" der Bischöfe, die gegen das Grundsatzpapier gestimmt haben. Zumal bei der Aussprache deutlich geworden sei, dass einzelne Oberhirten in jenem Forum, dass das Papier zur Sexualmoral erarbeitete, nur selten teilnahmen, die Möglichkeit von Hearings nicht nutzten, keine Änderungsanträge einreichten, aber nun mit "Nein" stimmten, wie in dem Bericht der Deutschen Welle zu lesen ist.

Wichtige Grundlagentexte sind verabschiedet

Positiv wertete der Stuttgarter Stadtdekan die Verabschiedung des Grundlagentextes zu den Frauen in Dienst und Ämtern der Kirche. "Die Menschen erwarten von der Kirche zurecht eine andere Haltung gegenüber Frauen. Sie erwarten Geschlechtergerechtigkeit", so Hermes. Der Stadtdekan bedauerte, dass aufgrund des hohen Beratungsbedarfs der Bischöfe nach dem Eklat zu Beginn, viele Entscheidungen und Debatten nicht mehr geführt werden konnten . "So konnte beispielsweise der Text zum priesterlichen Dienst nicht mehr beraten werden. Dabei müssen wir wegkommen vom Klerikalismus und der Priesterzentriertheit." Die Bischöfe müssten lernen, mit der Mitbestimmung von Laien, mit Diskursen und Beratungen offener umzugehen. "Die Laien in der katholischen Kirche sind sehr viel weiter als die Bischöfe", so der Stadtdekan im folgenden Interview auf dem YouTube-Kanal der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Eine Präsentation von Stadtdekan Christian Hermes zum Synodalen Weg finden Sie hier.

Das folgende Video ist nach dem Eklat bei der vierten Vollversammlung in Frankfurt entstanden, aufgezeichnet von der Medienabteilung der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

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