Aktuelles

"Wir müssen begründen, was wir mit der Kirchensteuer machen"

Stadtdekanatsrat verabschiedet Haushalt über 48 Millionen Euro

Der Stadtdekanatsrat hat am Dienstagabend den kirchlichen Haushalt mit einem Volumen von insgesamt 48 Millionen Euro verabschiedet. Der Stadtdekan Christian Hermes machte in seiner Haushaltsrede deutlich, wie wichtig es sei, dass die Kirche ihre Talente unter die Menschen,  „auf den Markt und ins Gespräch“ bringe.  Kirche ist „kein Hausbesitzerverein, kein Sozialkonzern und kein frommer Freizeitverein“, stellte Hermes fest. „Wir sind als katholische Kirche aufgebrochen, um in der Stadt und für die Stadt und für alle Menschen dieser Stadt das zu tun, was das Evangelium hier und heute von uns verlangt.“ Der Stadtdekan fasste noch einmal die Projekte zusammen, die in unterschiedlichen Stadien im Entstehen sind: das Spirituelle Zentrum, der Umbau der Nikolauskirche zur Jugend- und Gemeindekirche, das Trauerpastorale Zentrum, der Neubau von Kirche und Gemeindezentrum in St. Peter, die Ideenfindung zur Zukunft der Kirche St. Maria sowie der Neubau des Pallotti-Quartiers.  

In der katholischen Kirche in Stuttgart ist im vergangenen Jahr viel passiert – und es wird auch im nächsten Jahr viel geschehen. Das Spirituelle Zentrum, das 2019 in St. Fidelis im Stuttgarter Westen eröffnet werden soll, wird weiter Gestalt annehmen. Die Planungen zum Zentrum für Trauerpastoral in Degerloch werden zügig vorangehen. Für den Umbau der Nikolauskirche im Osten zur Jugend- und Gemeindekirche startet an Ostern 2018 ein Beteiligungsprozess, zu dem alle Stuttgarter Jugendlichen eingeladen sind. Die neuen Schwerpunktorte sind das eine, parallel dazu aber laufen zahlreiche Standortentwicklungen. Dazu gehört der Neubau von Kirche und Gemeindezentrum St. Peter auf dem Memberg in Bad Cannstatt, am 1. Advent 2018 soll Einweihung gefeiert werden. In Birkach wird im nächsten Jahr die Kirche abgerissen, auf dem Grundstück entstehen Wohnungen für Flüchtlinge, Studierende und Familien. In St. Maria werden im nächsten Jahr die bei der Bürgerbeteiligung eingegangenen Ideen ausgewertet und dann entschieden, welche zusätzliche Nutzung es für das Gotteshaus geben soll. „Ich bin sehr froh, dass wir bei allen Standortentwicklungen, die bereits laufen, Nutzungen finden konnten, bei denen Kirche nicht einfach verschwindet, sondern ganz im Gegenteil in Kooperation mit vorrangig sozialen Institutionen wie der Stiftung Liebenau oder unserem Caritasverband in einer pastoral und sozial sehr guten Weise neu und zukunftsfähig präsent bleibt“, so der Stadtdekan.

Die Eckdaten des Haushalts stellte Hubert Hiller, der Leiter des kirchlichen Verwaltungszentrums vor.  Der außerordentlich guten konjunkturellen Lage ist es zu verdanken, dass die Kirchensteuerzuweisungen der Diözese an das Stadtdekanat Stuttgart um 470 000 Euro auf 16,3 Millionen Euro steigen. In der Folge konnte der Stadtdekanatsrat einstimmig einen Verwaltungshaushalt mit einem Umfang von 48 Millionen Euro verabschieden. Die Kirchensteuerzuweisungen des Stadtdekanats an die Kirchengemeinden belaufen sich auf 6,9 Millionen Euro. Über den Vermögenshaushalt des Stadtdekanats werden Bau- und Umbaumaßnahmen in den Gemeinden etwa für Kirchen, Gemeindehäuser und Kitas in Höhe von 12,7 Millionen Euro mitfinanziert. Der Stuttgarter Caritasverband erhält 845 000 Euro an Zuweisungen durch das Stadtdekanat, an die Gesellschaften für mobile Jugendarbeit gehen 179 000 Euro, an Einrichtungen und Dienste wie den BDKJ, den Sozialdienst Katholischer Frauen und die Waldheime fließen weitere 269 000 Euro. Hubert Hiller stellte fest, dass der Kirche wie auch den Kommunen die konjunkturelle Lage zugutekomme. Dennoch müsse man damit rechnen, dass die Kirchensteuereinnahmen auf lange Sicht deutlich zurückgehen werden. Umso wichtiger sei der Konsolidierungskurs, den das Stadtdekanat seit sieben Jahren verfolge.

Dank der Zuwanderung von Katholiken anderer Muttersprache ist die Mitgliederzahl in Stuttgart vergleichsweise stabil geblieben (Stand Ende 2016 waren es 141 844 Katholiken). „Wir müssen uns aber darauf einstellen, dass aufgrund der demographischen Entwicklung die Mitgliederzahlen sinken werden und damit auch die Einnahmen aus der Kirchensteuer“, sagte der Stadtdekan Hermes. Da niemand gerne Steuern zahle, sei es wichtig, in Zukunft noch besser zu kommunizieren und zu begründen, was mit der Kirchensteuer passiere. Vor allem bei der Generation der jungen urbanen Berufstätigen sei die Bereitschaft zum Kirchenaustritt signifikant höher als in anderen Altersgruppen, auch dies müsse man im Auge behalten. „Umso mehr müssen wir den Mitgliedern danken, die mit ihrer Kirchensteuer unsere Arbeit unterstützen und ermöglichen“, so der Stadtdekan.

In seiner Haushaltsrede blickte der Stadtdekan aber auch über den Kirchturm hinaus und bezog zur Stadtplanung und Wohnungsbaupolitik deutlich Stellung: „Stuttgart kann und darf eine reiche Stadt sein. Stuttgart darf aber keine Stadt nur noch für Reiche sein.“ Deshalb müsse der Abbau von Sozialwohnungen und der Rückgang insbesondere von bezahlbarem Wohnraum gestoppt werden. „Weit mehr als bisher müsste die Landeshauptstadt, mithilfe der SWSG, in die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum investieren und kreative Konzepte der Stadtentwicklung vorlegen.“ Aber auch die Kirche müsse sich weiter einbringen: „Auch wenn dreiviertel unserer Mietwohnungen unter dem Durchschnitt der Stuttgarter Mietpreise liegen, haben auch wir als Kirche eine Verantwortung, dieser gesellschaftlichen Herausforderung  gerecht zu werden.“ Er verwies darauf, dass ein großer Teil der kirchlichen Standortentwicklungen in Stuttgart mit der Schaffung von sozialem Wohnraum verbunden seien. Ein wichtiger Ansatz sei der Wohnungsbaufonds, der auf diözesaner Ebene eingerichtet werde, um die örtlichen Kirchengemeinden bei der Schaffung von Wohnraum zu  unterstützen.

(Nicole Höfle, katholisches Stadtdekanat, 6. Dezember 2017)

 

Hier die Haushaltsrede in voller Länge

 

 


 
Home
Aktuelles
Gottesdienste
Kirchen- und Kitafinder
Seelsorge
Angebote
Spirituelle Angebote
Veranstaltungen
Aufbrechen |Kirche in der Stadt
Katholisches Stadtdekanat
Stiftung kath. Kirche Stuttgart
Newsletter