Zusätzlich zum neuen Domizil könne die ÖHG für größere Veranstaltungen Nebenräume des Pfarrzentrums nutzen, weiß die Ordensfrau der Franziskanerinnen von Sießen. Die freigewordenen vier Räume am etwa 150 Meter entfernten alten Standort in der Paracelsusstraße 97 seien zu Studierendenzimmern umgebaut worden – und bereits alle vermietet. „Damit wohnen dort elf Studierende, darunter drei deutsche.“ Das passt, da sich die ÖHG mit ihrem Zimmerangebot vor allem an internationale Studierende richtet. „Sie finden nur schwer eine Wohnung und erfahren erschreckend viel Rassismus“, weiß Sr. Marie-Pasquale. Ein weiteres Wohnheim befindet sich in Birkach.
Alle Religionen sind willkommen
Aufgrund der internationalen Zusammensetzung der ÖHG finden in der Regel alle Veranstaltungen auf Deutsch und Englisch statt. „Da die Studierenden an der Uni meist in Englisch unterrichtet werden und sie nach dem Studium in ihre Heimat, meist Entwicklungsländer, zurückkehren, besteht für sie keine Notwendigkeit, Deutsch zu lernen.“ Ein Deutsch-Konversationskurs der ÖHG bietet dafür dennoch die Möglichkeit. Studierende müssten keine Christinnen und Christen sein, um Teil der ÖHG zu werden. Sr. Marie-Pasquale: „Ich schätze es, wenn es gemischt ist. Das ist eine superschöne Form des interreligiösen Dialogs.“ Zum Beispiel, wenn eine Hinduistin das Evangelium vorträgt oder Muslime sich im Gemeinschaftsraum unter dem Taizé-Kreuz versammeln.
Studierende treffen sich zum „Coffee with God“
Die ÖHG bietet ihren Studierenden viele regelmäßige Veranstaltungen an: So findet jeden Donnerstag um 14 Uhr im Gemeinschaftsraum der ÖHG ein „Coffee with God“ statt - mit Snacks, Kuchen und einem geistlichen Impuls. Jeden ersten Montag im Monat um 18.30 Uhr gibt es eine Taizé-Feier, die ebenfalls im Gemeinschaftsraum und nicht mehr in der Antonius-Kirche (Paracelsusstr. 97) abgehalten wird. Dort gibt es jedoch weiterhin an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat um 18 Uhr eine „English Mass“, also eine Messe in englischer Sprache.
Viele Veranstaltungen sind geboten
Weitere Termine sind ein U-Bahn-Gottesdienst am 5. November um 17 Uhr, in den man sich via WhatsApp einwählen kann. Am 7. November gibt es zum Kennenlernen einen „Pizza-Welcome-Evening“ und am 17. November das Internationale Fest, jeweils um 19 Uhr im Gemeinschaftsraum. Darüber hinaus sind ein Länderabend Iran-Afghanistan, ein Klosterwochenende sowie Bibel- und Kochabende geplant.
„Für Sinnsuchende da sein“
Seit Frühjahr 2023 erhält Sr. Marie-Pasquale Unterstützung von ihrer evangelischen Kollegin Andrea Aippersbach. Die Theologin beschreibt den Zweck der Gemeinde kurz und knapp: „Die ÖHG ist da für Sinnsuchende, für Gottsuchende und für Gemeinschaftssuchende.“ Es gehe darum, dass sich die Studierenden angenommen fühlen und Raum ist für religiöse Fragen und Erlebnisse – wie beim gemeinsamen Wandern mit Kirchenbesuchen oder bei den Nordic-Walking-Terminen „Walk & Talk & Pray“.
Gemeinschaft auf Zeit
Im Mittelpunkt nach den Beschränkungen der Corona-Zeit stehe die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls, so Aippersbach. Gemäß dem Semestermotto „Moved by“ gehe es bei Veranstaltungen um die Fragen, was hat die internationalen Studierenden im vergangenen Jahr besonders bewegt und was hat sie nach Deutschland gebracht. Prinzipiell unterscheide sich die ÖHG fundamental von einer herkömmlichen Gemeinde, schließlich kommen ständig neue Studierende - und gehen wieder. „Wir sind eine Gemeinschaft auf Zeit“, fasst die Pfarrerin zusammen. Aber das mache den Reiz aus. Aippersbach: „Wir wollen einen Ort von Heimat anbieten.“
Näheres zur ÖHG unter https://oehghohenheim.com/