Es gibt einen ganz grundlegenden Unterschied im Pfarrersein in Deutschland und im Kongo: „Im Kongo, in meiner Heimatdiözese Butembo-Beni, haben viele Pfarrer noch einen anderen Beruf. Im Kongo bin ich Pfarrer und Arzt, Pfarrer und Ingenieur, Pfarrer und Landwirt, Pfarrer und Lehrer, Pfarrer und Mechaniker. Auf diese Weise kann ich Menschen als Seelsorger, aber immer auch in einem weiteren Bereich unterstützen. Aufgrund der Armut in Afrika zahlt die Diözese den Pfarrern kein Gehalt“, erzählt der 46-Jährige. Zudem kümmern sich in dem afrikanischen Land viele Priester auch um den Unterricht in Schulen und die Lehre an den Universitäten. So auch Jean Bonane Bakindika. Einmal im Jahr ist er für mindestens vier Wochen im Kongo, unterrichtet dann an der Université Catholique du Graben und kümmert sich zudem vor Ort um die Hilfsprojekte, die mit dem von ihm gegründeten gemeinnützigen Verein Amani Project e.V. (Friedensprojekt) im Kongo finanziert werden.
Mit Spenden werden auch Waisenkinder im Kongo unterstützt
Mit Hilfe der Spendengelder wird gerade ein medizinisches Zentrum in der kongolesischen Stadt Butembo unterstützt, Jean Bonane Bakindika zeigt Bilder des einfachen Baus auf seinem Handy. Angeschafft werden sollen ein Ultraschallgerät und ein Röntgengerät. Der Verein hilft zudem Waisenkindern und gewährt Studenten und Auszubildenden finanzielle Unterstützung. Hilfe zur Selbsthilfe, den Menschen helfen, Armut zu überwinden, darum geht es Jean Bonane Bakindika und den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern des Vereins, um den er sich auch von Stuttgart aus weiter kümmern möchte. Als Jugendlicher wollte Jean Bonane Bakindika Arzt werden, deshalb freut er sich heute darüber, ein medizinisches Zentrum unterstützen zu können. Seine Begeisterung für Theologie und Philosophie hat ein kongolesischer Pfarrer geweckt: „Dafür bin ich ihm bis heute dankbar“, so der 46-Jährige. Die Theologie hat ihn schließlich zur Päpstlichen Universität in Rom und später zur Promotion bei Peter Hünermann in Tübingen geführt, sein Thema: Das Geheimnis der Dreifaltigkeit als Lebenstil und Denkform im afrikanischen Christentum.
"Im Kongo hat die Kirche großen Einfluss auf die Politik"
Der Kontrast zwischen der kongolesischen und der deutschen Kirche könnte kaum größer sein. „Im Kongo hat die Kirche großen Einfluss auf die Politik und die Gesellschaft. Das Land ist bis heute christlich geprägt und viele Politiker legen Wert darauf, Bischöfe und andere kirchliche Amtsträger zu treffen. Die Kirchenmänner ergreifen das Wort gegen die Ausbeutung des Landes und seiner Rohstoffe durch internationale Konzerne“, erzählt Jean Bonane Bakindika. Ganz anders in Deutschland: Hier wundert sich der 46-Jährige immer wieder, wie feindselig manche Menschen auf Kirche reagieren, vor allem in den sozialen Medien. Dabei setze sich die Kirche in Afrika und in Europa für Menschenrechte, für die Menschen, gegen Rassismus und gegen Diskriminierung ein.
Pfarrer Bakindika wird in Französisch und Italienisch predigen
Jean Bonane Bakindika freut sich auf seine neue Aufgabe in der französischsprachigen Gemeinde mit ihren rund 1600 Mitgliedern, die aus Stuttgart und der Region stammen. „Auch wenn es für mich ungewohnt sein wird, auf Französisch zu predigen.“ Er freut sich auch darauf, neue Menschen kennenzulernen: „Es gibt nur die eine göttliche Liebe, die alle durchfließt, die eine göttliche Kraft. Gott ist in uns und mit uns. Das vergessen viele Menschen in Europa heute.“ Jean Bonane Bakindika ist froh darüber, dass er weiterhin auch in den italienischen Gemeinden mitwirken kann: in San Giorgio in Stuttgart-Mitte und Buon Pastore in Stammheim sowie Cristo Re in Vaihingen und San Martino in Bad Cannstatt. „Ich werde mich bald in allen Gemeinden zuhause fühlen“, ist der 46-Jährige überzeugt.
Einführungsgottesdienst am 20. Oktober in Thomas Morus
Der Einführungsgottesdienst wird am Sonntag, 20. Oktober, um 15 Uhr in der Kirche St. Thomas Morus in Heumaden gefeiert. Anschließend findet ein Stehempfang statt. Die französischsprachige Gemeinde Paroisse Catholique francophone Sainte Thérèse ist in der Gesamtkirchengemeinde Johannes XXIII. beheimatet.