Kooperation Gemeinde - Caritas

Das Zentrum St. Christophorus als neuer Ort des Miteinanders

Auf dem Gelände der katholischen Kirchengemeinde St. Christophorus wird voraussichtlich bis 2024 das neue „Zentrum St. Christophorus“ entstehen. Der Caritasverband für Stuttgart e.V. hat zum 1. Januar 2021 mit der Kirchengemeinde einen Erbbaurechtsvertrag abgeschlossen und wird im Rahmen des Projektes „Aufbrechen – katholische Kirche in Stuttgart“ zwei Neubauten errichten. Menschen mit mehrfacher Behinderung sollen künftig hier leben und arbeiten – gleichzeitig wird Raum geschaffen für ein lebendiges Gemeindeleben.

Auf dem Grundstück der Gemeinde St. Christophorus in Stuttgart-Wangen errichtet die Caritas Stuttgart zwei Neubauten, in denen Menschen mit mehrfacher Behinderung leben und arbeiten.© Von Heinz Heiss

„Caritas und Kirchengemeinde sind aufs Engste verbunden und gehören zusammen wie zwei Arme eines Leibes. Ich freue mich sehr darüber, dass daraus hier ein konkretes Werk entsteht und wir im Schatten des Kirchturms attraktive Angebote für Menschen mit Behinderungen schaffen können“, erklärt Raphael Graf von Deym, Vorstand des Caritasverbandes für Stuttgart e.V. Für die Kirchengemeinde ist es wichtig, dass wir den Wandel unserer Kirche vor Ort aktiv gestalten. Mit der Caritas haben wir eine starke Partnerin dazu“, sagt Andreas Gälle, leitender Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart St. Urban und ergänzt: „Ich freue mich auf das neue Miteinander, das hier mitten in Wangen entstehen kann: Soziales Engagement und attraktives Wohnen mitten in der Stadt gehen hier hoffentlich bald Hand in Hand mit dem Leben der Kirchengemeinde St. Christophorus.“ Zu den Grundaufgaben der Kirche gehöre neben der Liturgie und der Glaubensverkündigung auch der Dienst am Mitmenschen: „Dieser Grundauftrag ist bei der Caritas bestens aufgehoben“, so Gälle.

Ein Ort, an dem Menschen mit Behinderungen leben und arbeiten

Konkret sind folgende Bauvorhaben geplant: Ein Wohnhaus mit ambulant betreutem Wohnen für 18 Menschen mit mehrfacher Behinderung soll auf dem Grundstück entstehen, wo sich heute das Pfarrbüro und die – bereits geschlossene – Kindertagesstätte befinden. „Wir wollen hier für Menschen mit Handicap geeigneten Wohnraum schaffen, wo sie selbstbestimmt und individuell – mit Assistenzleistungen seitens der Caritas – einen guten Lebensmittelpunkt bekommen“, sagt Stefan Frommberger, Leiter der Behindertenhilfe. Im Sinne der Behindertenrechtskonvention und des Bundesteilhabegesetzes könne dieser Personenkreis dort ein aktives und an Teilhabe orientiertes Leben führen.

Immer noch genügend Platz für lebendiges Gemeindeleben

Außerdem soll der in die Jahre gekommene Gemeindesaal abgerissen werden und an seiner Stelle ein mehrstöckiger Neubau mit Tiefgarage errichtet werden. In das Erdgeschoss wird die Verwaltung der Kirchengemeinde St. Christophorus einziehen. Im ersten Obergeschoss werden die Neckartalwerkstätten der Caritas ein Beschäftigungs- und Betreuungsangebot für die Bewohner des Nachbargebäudes schaffen. Im zweiten Stockwerk und im Dachgeschoss werden insgesamt neun Wohnungen zwischen 36 und 65 Quadratmetern entstehen, die ebenfalls durch den Caritasverband genutzt werden.

„Wir müssen uns als Kirche weiterentwickeln“

Die Kirche und auch der Kirchturm bleiben stehen und werden weiterhin von der Ortsgemeinde und der kroatisch-katholischen Gemeinde genutzt. Warum sich die Gemeinde zu dieser Standortentwicklung entschlossen hat, erklärt Fred Heine, der Gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderates St. Christophorus: „Der Gemeindesaal ist für die Bedürfnisse unserer Ortsgemeinde viel zu groß, eine Renovierung wäre für uns nicht finanzierbar gewesen. Deshalb haben wir nach einem Partner gesucht, den wir im Caritasverband gefunden haben.“ Fred Heine, der als Kind noch die Zeiten erlebt hat, in denen der Gemeindesaal an den Wochenenden brechend voll gewesen ist, weiß, dass dieser Schritt bei vielen Menschen Trauer auslöst: „Der Gemeindesaal ist bei vielen Wangenern mit schönen Erinnerungen an ausgelassene Faschingsfeiern und Gemeindefeste, an große Erstkommunionfeiern, an Hochzeiten verbunden. Dennoch müssen wir uns als Kirche weiterentwickeln und zur Kenntnis nehmen, dass wir zu viele Immobilien haben, für deren Unterhalt wir auf Dauer nicht mehr aufkommen können.“

Gemeinde und behinderte Menschen zusammenbringen

Bestehen bleibt der Kolpingsaal direkt unter der Kirche, den die Gemeinde St. Christophorus auch in Zukunft weiter für Chorproben, Kirchengemeinderatssitzungen und Seniorennachmittage nutzen kann. Hinzu kommt die Möglichkeit, einen Mehrzweckraum in einem der beiden neuen Gebäude mit zu nutzen, zum Beispiel an den Abenden und an den Wochenenden. „Wir haben also auch in Zukunft genügend Raum für ein lebendiges Gemeindeleben“, sagt Pfarrer Gälle. Die räumliche Nähe zu der Behinderteneinrichtung, die auf dem Gemeindegrundstück entstehen wird, sieht er als große Chance: „Wir werden in den nächsten Monaten schauen, wie wir die Gemeindemitglieder und die behinderten Menschen zusammenbringen können“, so Andreas Gälle. Die Kindertagesstätte auf dem Grundstück hat die Kirchengemeinde aufgegeben, dafür hat sie sich jetzt für die Trägerschaft der neuen Kita Jägerhalde beworben. „Wir haben Wort gehalten und wollen uns auch weiter in Wangen im Bereich der Kitas für Kinder und Familien engagieren – nun warten wir auf die Entscheidung der Stadt bezüglich der Trägerschaft“, so der Pfarrer.

Abbruch in der ersten Jahreshälfte geplant

Derzeit läuft das Vorhaben- und Erschließungsplanverfahren mit der Stadt, in dessen Rahmen auch der Wangener Bezirksbeirat beteiligt und informiert wird. „Abhängig vom Verfahrenslauf hoffen wir, noch in der ersten Jahreshälfte 2022 den Abbruch des Gebäudes durchführen zu können und suchen bis dahin nach einer geeigneten Zwischennutzung“, erklärt Raphael Graf von Deym. 

 

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