Aktuelle Statistik

„Die Veränderungen werden in der Stadtgesellschaft spürbar werden“

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Hatte das Stadtdekanat Stuttgart 1990 noch rund 181.600 Katholikinnen und Katholiken, waren es 2025 noch gut 110.000 – ein Rückgang von fast 40 Prozent in 35 Jahren. Allein zwischen 2020 und 2025 verlor die Stuttgarter Stadtkirche jährlich zwischen 3.700 und 5.200 Mitglieder. Diese Entwicklung hinterlässt tiefe Spuren: in den Kirchengemeinden, in den Finanzen und in der Frage, wie Kirche in einer Großstadt künftig aussehen kann. „Wir befinden uns in einem radikalen Veränderungsprozess. Wir müssen unsere Mittel konzentrieren und unsere Aufgaben priorisieren. Diese Veränderungen werden auch in der Stadtgesellschaft spürbar sein“, sagt Stuttgarts Stadtdekan Christian Hermes.

Zu sehen sind ein goldenes Kreuz sowie ein leuchtendes Kirchenfenster

Seit mehr als drei Jahrzehnten schrumpft die Stuttgarter Katholikenzahl kontinuierlich. Was bis 2019 durch wirtschaftlichen Aufschwung und Zuwanderung aus dem Ausland zumindest finanziell abgefedert werden konnte, trifft die Stadtkirche jetzt mit voller Wucht: 2025 verzeichnete das Stadtdekanat 2.233 Kirchenaustritte – bei nur 562 Taufen und 55 Eintritten und Wiederaufnahmen. Insgesamt hat die katholische Kirche in Stuttgart im vergangenen Jahr 3760 Mitglieder verloren. Die Kirchenbindung, gemessen an der Gottesdienstteilnahme, liegt inzwischen bei 8,56 Prozent – 1990 waren es noch über 13 Prozent. 

Maßnahmen zur Konsolidierung werden erarbeitet

Hinzu kommt eine veränderte wirtschaftliche Lage: Die Kirchensteuerzuweisung der Diözese Rottenburg-Stuttgart wurde für 2026 kurzfristig um 8,7 Prozent gesenkt – von ursprünglich 183 Millionen auf 167 Millionen Euro für alle Kirchengemeinden der Diözese. Für Stuttgart, das aufgrund seiner städtischen Struktur besonders von der konjunkturellen Schwäche und dem Rückgang internationaler Zuwanderung betroffen ist, bedeutet das: weniger Spielraum bei steigenden Kosten. Stadtdekan Hermes hat eine Arbeitsgruppe Konsolidierung gegründet, die mit Hochdruck an Maßnahmenvorschlägen arbeitet: „Bereits jetzt bremsen wir Stellenbesetzungen ein. Bis zum Sommer werden wir den Entscheidungsgremien kurz- und mittelfristig stark wirksame Konsolidierungsmaßnahmen vorlegen, um die Erfüllung des kirchlichen Auftrags nachhaltig sicherzustellen.“

Umbau statt Stillstand: radikale Veränderungsprozesse laufen

Die Stuttgarter Stadtkirche hat sich nicht von den Entwicklungen überraschen lassen. Seit über 15 Jahren laufen Entwicklungsprozesse wie "Aufbrechen" und "Next Steps", die Strukturen und Aufgaben strategisch angehen. Stadtdekan Hermes betont: „Wir haben uns über viele Jahre in eine Kultur der Veränderung eingeübt – das hilft uns jetzt.“

Konkret bedeutet das: Von 316 kirchlichen Gebäuden – darunter 49 Kirchen und 67 Gemeindehäuser – müssen dauerhaft mindestens 30 Prozent der kirchensteuerfinanzierten, beheizten Flächen aufgegeben oder umgewidmet werden. Der Entwicklungsprozess „Räume für eine Kirche der Zukunft“ der Diözese setzt diesen Rahmen, den Stuttgart bereits aktiv umsetzt. Gemeindehäuser und andere Immobilien werden verkauft, Standorte neu gedacht. Die Reduzierung ist auch jetzt schon sichtbar: Jüngstes Beispiel ist die Kirche Christus Erlöser, die im November profaniert worden ist. Deutlich verkleinert wird auch die Zahl der Kirchengemeinden, nicht nur in Stuttgart, sondern in der gesamten Diözese. In Stuttgart steht eine Reduzierung von den bisherigen 42 Kirchengemeinden auf vier, drei, zwei oder eine Kirchengemeinde im Raum. Die Entscheidung darüber wird noch in diesem Jahr fallen. Derzeit sind die Kirchengemeinden aufgefordert, ihre Vorschläge zu machen.

Den Wandel kreativ gestalten   

Besonders sichtbar wird der Wandel dort, wo er kreativ gelingt: In St. Ulrich im Fasanenhof wird derzeit eine Kindertagesstätte in den Kirchenraum eingebaut. In Mariä Himmelfahrt wird die renovierte Kirche künftig von der Gemeinde und dem benachbarten TrauerZentrum genutzt. In St. Nikolaus entsteht ein Raum, der Jugendliche und die Gemeinde gleichzeitig im Blick hat. Noch im März beginnt die Renovierung der Kirche St. Maria in der Tübinger Straße, einer Kirche des Dialogs und der Vernetzung, die sich weit in die Stadtgesellschaft hinein geöffnet hat. Diese Projekte zeigen: Veränderung muss keine Kapitulation sein – sie kann auch Aufbruch bedeuten. Mit anderen Strukturen kann Raum für Innovation entstehen – für niedrigschwellige Angebote, für die Arbeit im Sozialraum, für Kirche, die zu den Menschen kommt statt auf sie zu warten.

Trotz allem nah bei den Menschen bleiben

Stadtdekan Hermes macht deutlich, was trotz aller Konsolidierung nicht verhandelbar ist: „Die Mittel, die sie uns zur Verfügung stehen, sollen vorrangig in die eigentliche kirchliche Arbeit für die Menschen in unserer Stadt investiert werden. Deshalb ist unser vorrangiges Ziel, den Verwaltungsaufwand und die Infrastruktur zu reduzieren. Damit wir auch langfristig Kirche in der Stadt sein können – zuverlässig, glaubwürdig und nah bei den Menschen.“ 

 

Stadtdekanat Stuttgart in Zahlen

  • Katholiken 2025: 110.174 | Vergleichszahlen 2024: 113.933 | 2020: 132.873 und 1990: 181.655 
  • Kirchenaustritte 2025: 2.233
  • Taufen 2025: 562
  • Gottesdienstteilnahme 2025: 8,56 Prozent |1990: 13,5  Prozent
  • Erstkommunion 2025: 667
  • Firmung 2025: 695
  • Haushalt 2026: 78,9 Mio. Euro, davon Personalkosten: zirka 45 Millionen Euro (ca. 60 Prozent)
  • Kirchensteuerzuweisung 2026: –8,7 Prozent gegenüber ursprünglicher Planung
  • Mitarbeitende: ca. 1.600 

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