Der Termin für den Abschiedsgottesdienst steht bereits: Am Sonntag, 1. Oktober, werden sich die Stuttgarter von Steffen Vogt in der Kirche St. Josef in Heslach verabschieden. In der Seelsorgeeinheit Öhringen-Neuenstein im Dekanat Hohenlohe startet der 49-Jährige aller Voraussicht nach im Advent. Die vier Jahre in Stuttgart möchte Steffen Vogt nicht missen: „Kirche in einer Großstadt zu leben, ist eine besondere Herausforderung. Die Bindungen an die Kirche schwinden, darauf heißt es Antworten zu finden.“
Steffen Vogt: mit "St. Maria als" viele Menschen erreicht
Eine der Antworten ist die Kirche "St. Maria als" in der Tübinger Straße, die sich mit ihren Angeboten und Möglichkeiten weit in den Stadtteil und die Stadtgesellschaft hinein öffnet und die viel Raum lässt für Experimente und für Neues. „Nach St. Maria als kommen viele Menschen, die mit Kirche nichts mehr zu tun haben. Ich habe oft erlebt, wie die Begegnungen und wie der sakrale Raum deren Bild von Kirche verändert hat“, erzählt Vogt und freut sich zum Beispiel über die Entwicklungen rund um die Foodsharing-Station Harrys Bude vor der Marienkirche. Der 49-Jährige macht aber auch deutlich, dass dieser Spagat zwischen dem Neuen und dem traditionellen Gemeindeleben an manchen Stellen schwierig sein kann. „Beide Welten haben ihre ganz eigenen Bedürfnisse und Anforderungen, die es auf eine gute Weise zusammenzubringen gilt, was nicht immer ohne Reibungen gelingt“, so Vogt.
Stadtdekan erwartet Lösungsvorschläge der Diözesanleitung
Stadtdekan Christian Hermes bedauert den Abschied von Steffen Vogt: „Ich bin dankbar für das, was Steffen Vogt in den vergangenen vier Jahren im Stuttgarter Süden geleistet und auf den Weg gebracht hat. Ich sehe aber auch, dass sein Weggang die Gemeinden vor eine herausfordernde Situation stellt.“ Für die Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Süd erwartet er Lösungsvorschläge der Diözesanleitung: „Wir haben damit im Stuttgarter Süden mehr offene als besetzte Stellen - und das angesichts erheblicher Herausforderungen in der pastoralen Entwicklung der Gemeinden, aber auch von großen Projekten wie der Sanierung von St. Maria. Das ist weder ehrenamtlich noch nebenher zu leisten. Ich mache mir da ziemliche Sorgen.“ Fast zeitgleich mit Steffen Vogt verabschiedet sich die Pastoralreferentin Ute Beckert im September aus der Gesamtkirchengemeinde. Die Theologin hat sich in den vergangenen Jahren vor allem um die Familienarbeit, um Erstkommunion und Firmung gekümmert. Beide Stellen werden von der Diözese Rottenburg-Stuttgart ausgeschrieben.
Viele Abschiede in den nächsten Wochen
Steffen Vogt wird sich in den nächsten Wochen aus den Gemeinden St. Josef, St. Antonius und St. Maria verabschieden, die zur Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Süd gehören. Abschied nehmen wird er auch vom Glaserhaus für Obdachlose, das unter dem Dach der Gesamtkirchengemeinde angesiedelt ist.
Zur Person Steffen Vogt
Vogt wurde 1974 geboren. Er wuchs in Heuchlingen (Ostalb) auf. Nach dem Abitur und dem Zivildienst fing er ein Studium der Zahnmedizin an, wechselte dann aber zur Theologie. Er studierte in Tübingen mit einem Auslandsjahr im schweizerischen Fribourg.
Zum Diakon wurde er 2014 in Stuttgart geweiht. Im Jahr 2015 empfing Vogt dann in Ellwangen die Priesterweihe. Zu seinen Stationen als Vikar zählten Brackenheim und Ehingen.