Im gerade begonnenen neuen Jahr spürten die Menschen, dass sich Dinge verändert haben und sich noch vieles verändern werde. Sie spürten, dass sie nicht stehen bleiben und zurückblicken, sondern nach vorne schauen müssen. „Wir werden auch in unserer Diözese in diesem neuen Jahr vieles angehen“, sagte Bischof Dr. Krämer mit Blick auf den diözesanen Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“, der im vergangenen Jahr gestartet war. „Wir werden uns weiter mit den Strukturen und Prozessen befassen, aber auch die Inhalte in den Fokus nehmen und neue Ideen entwickeln. Da wird es intensive Debatten und Diskussionen geben und auch manche Unsicherheit, welchen Weg wir einschlagen sollen“, sagte Bischof Dr. Krämer weiter und verwies auf das Beispiel der Heiligen Drei Könige: „Den richtigen Weg werden wir dann finden, wenn wir wie die Sterndeuter dem Stern folgen, der allein unserem Weg die richtige Orientierung geben kann: Jesus Christus ist unser Leitstern.“
Entscheidend sei es dabei, auf die kleinen und unscheinbaren Anfänge zu achten, denn Erneuerung geschehe oft unerwartet und überraschend. „Darum gilt es, neuen Ideen und Initiativen eine Chance zu geben. Auch wenn sie noch so klein und unscheinbar sind. Das Kleine ist nicht überflüssig oder verzichtbar. Dort, wo Leben ist, gilt es, dieses Leben zu bewahren und ihm eine Chance zu geben, zu wachsen und sich zu entwickeln“, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Und so wie die Sterndeuter die Zeichen richtig deuteten und sie dem Stern gemeinsam nachgingen, verhalte es sich auch in der Gegenwart: „Als Christinnen und Christen sind wir gemeinsam unterwegs – wir sind eine synodale Kirche: wir werden gemeinsam beraten und nach neuen Wegen suchen. Denn jeder ist wichtig, jeder hat etwas beizutragen und gemeinsam können wir viel bewirken“, sagte Bischof Dr. Krämer auch mit Blick auf den Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“. Mit ihrer Schwerpunktsetzung auf veränderten Seelsorgestrukturen, der Digitalisierung, einer nachhaltigen Finanzplanung sowie einem Gebäudereduzierungsprozess möchte die katholische Kirche in Württemberg auf diesem Weg im neuen sowie in den darauf folgenden Jahren zukunftsweisende Veränderungen durchlaufen.
Beispielgebend für all dies seien für ihn die Sternsinger-Gruppen, die unter der Überschrift „Schule statt Fabrik“ die Aufmerksamkeit zu Jahresbeginn auf das Problem der Kinderarbeit in Bangladesch lenkten und die überzeugt davon waren, dass es sich für dieses Ziel lohnt, Zeit zu opfern, Nässe und Kälte auszuhalten und auch in Kauf zu nehmen, dass sie nicht an jeder Tür mit Herzlichkeit aufgenommen werden. „Die Sternsinger setzen so ein eindrückliches Zeichen“, hielt Bischof Dr. Krämer fest und er sagte: „Es braucht Menschen, die sich bewegen lassen, die sich anrühren lassen von der Not anderer Menschen und die spüren, dass sie mit dazu beitragen können, dass etwas mehr Licht in diese Welt kommt. Das ist unsere Berufung als Christinnen und Christen. Und wo wir diese Berufung leben, kommt auch wieder Licht und Leben in unsere Kirche – weil wir eben nicht für uns selbst da sind, nicht nur um uns selber und unsere Probleme kreisen dürfen, sondern weil wir uns für andere einsetzen wollen, wie es die Sternsinger tun.“
Das Pontifikalamt in St. Eberhard wurde musikalisch gestaltet durch Kantor Jürgen Staiger, Domorganist Johannes Mayr sowie durch die Sänger:innen des Domchors unter der Leitung von Adam Krukiewicz. Konzelebranten waren Generalvikar Dr. Clemens Stroppel und Stadtdekan Dr. Christian Hermes. Im Anschluss an den Gottesdienst lud Bischof Dr. Krämer die Anwesenden in das nebenliegende Haus der Katholischen Kirche zu einem Neujahrsempfang ein, bei dem die Feier zum Jahresauftakt in vielen guten Gesprächen und Begegnungen ihre gelungene Fortsetzung fand.