Nach zwei Jahren Umbau

Junge Kirche Sankt Nikolau öffnet am 20. September

Nach zwei Jahren Sanierung wird die Kirche Sankt Nikolaus am Stöckach am Sonntag, 20. September, als Junge Kirche Sankt Nikolaus wiedereröffnet. Um 11 Uhr feiert Bischof Klaus Krämer den Festgottesdienst, an den sich ein gemeinsames Mittagessen, Führungen, Workshops und weitere Angebote anschließen. An der Umgestaltung der Kirche haben die Gemeinde und viele junge Menschen mitgewirkt. Entstanden ist ein Kirchenraum, der Tradition mit vielen modernen Elementen verbindet. In der großen Kirche finden sich viele Nischen, die zu Stille, Gebet und zum Nachdenken einladen, hinzu kommen spielerische Elemente. Vieles in der Jungen Kirche Sankt Nikolaus ist beweglich und lädt zu Veränderung ein.

Blick auf den Chorraum und Altar in der Jungen Kirche Sankt Nikolaus

Wer die umgebaute Kirche betritt, erlebt einen hellen und offenen Raum. Wände und Boden sind zurückhaltend gestaltet, warme Holztöne und gezielte Farbakzente setzen Kontraste. Zugleich ist die Kirche konsequent auf Veränderung angelegt: Bänke und weiteres Mobiliar können versetzt, Bereiche durch Vorhänge verkleinert und Workshopflächen mit wenigen Handgriffen eingerichtet werden. Das neue Holzkreuz ist ebenfalls mobil und kann an mehreren Punkten im Kirchenraum aufgestellt werden. „Wir haben über Jahre ausprobiert, was ein solcher großer Kirchenraum ermöglichen kann. Dabei war uns wichtig: Wenn jemand hereinkommt, soll er etwas entdecken können und einen Ort finden, an dem er für diesen Moment gerne sein möchte – zum Beten, Nachdenken, Mitmachen oder um anderen zu begegnen“, sagt Jugendseelsorger Maximilian Magiera. 

Für ihn ist gerade die Wandelbarkeit ein Schlüssel des neuen Konzepts: „Man kann in demselben Raum unterschiedliche Atmosphären schaffen – für einen klassischen Gottesdienst genauso wie für eine Andacht, einen Workshop, Musik oder ein Gespräch. Wir freuen uns, wenn schon bald viele Menschen mit ihren Ideen die Kirche mit Leben füllen.“

Ein aktives und ein kontemplatives Seitenschiff

Die beiden Seitenschiffe haben unterschiedliche Schwerpunkte. Das aktive Seitenschiff ist für Gemeinschaft, , Workshops und kreative Formate gedacht. Ein Trinkwasserbecken ist symbolisch Quelle des Glaubens und ganz praktisch ein Wasserspender an heißen Tagen. Im kontemplativen Seitenschiff stehen Gebet, Stille und persönliche Auseinandersetzung im Mittelpunkt. Dort finden sich unter anderem ein Rückzugsort in einer kleinen Kapelle, eine Gedankennische mit einem Buch für eigene Gedanken, ein Steckspiel mit Buchstaben, eine Klangschale sowie der neu gestaltete Ort der Marienverehrung. Eine historische Marienfigur, die aufwendig restauriert wurde, trifft dort auf ein modernes Glaskunstwerk in verschiedenen Blautönen, das Stuttgarter Glaskünstler gestaltet haben. Gerade diese Verbindung von Geschichte und Gegenwart prägt die gesamte Kirche: Der historische Tabernakel ist erhalten, ebenso der Altar aus der Renovierungsphase der 1970er Jahre; neue Elemente wie Ambo, Kreuz, Möbel und das Glaskunstwerk treten hinzu.

Ein Kreuzweg, der Fragen an das eigene Leben stellt

Eine Besonderheit ist der neue 3 Wörter Kreuzweg. Acht Stationen ziehen sich durch die Kirche. Statt klassischer Bilddarstellungen begegnen den Besucherinnen und Besuchern kurze Sätze im Boden, die als Frage oder Aussage gelesen werden können, darunter „Was willst du“, „Was trägst du“ und „Wer hilft dir„Wir wollten keinen Kreuzweg, den man nur anschaut. Die Fragen sollen die Geschichte Jesu mit dem eigenen Leben verbinden“, erklärt Magiera. „Wer hier entlanggeht, kann überlegen: Was trage ich gerade mit mir? Wo stehe ich? Und am Ende steht ganz bewusst die Zusage: Du bist Leben.“ Besonders wichtig sei ihm die Station „Würde ist unantastbar“: „Damit holen wir auch den Bezug von Kirche und Gesellschaft in den Raum. Jeder Mensch hat eine eigene Würde, die es zu respektieren gilt.“

Über Jahre gemeinsam entwickelt

Der Umbau ist das Ergebnis eines langen Beteiligungs- und Erprobungsprozesses. Bereits 2018 begann mit einem „Denklabor“ die Suche nach neuen Formen für die Kirche. In den folgenden Jahren wurden Nutzungsideen erprobt und gemeinsam weiterentwickelt. Realisiert wurde der Umbau nach den Plänen des Architekturbüros Prinzmetal. 

Junge Kirche statt Trennung nach Generationen

Mit der Eröffnung erhält der Ort auch einen neuen Namen: Junge Kirche Sankt Nikolaus, die Gemeinde und Jugend verbindet. „Wir möchten uns nicht aufteilen in: Hier macht die Jugend etwas und dort die Gemeinde. Wer sich angesprochen fühlt, ist dabei und kann mitfeiern und mitgestalten über alle Generationen hinweg.“ 

Einweihung mit Bischof Klaus Krämer und Programm bis zum Abend

Die Einweihung beginnt am Sonntag, 20. September, um 11 Uhr mit dem Festgottesdienst mit Bischof Klaus Krämer. Chor, zahlreiche Ministrantinnen und Ministranten, Jugendliche, internationale Gruppen, Gemeindemitglieder und das Kinderhaus Sankt Nikolaus wirken mit. Nach dem Gottesdienst gibt es Mittagessen sowie ein Programm rund um Kirche und Gemeindesaal. Vorgesehen sind unter anderem Führungen, Workshops, Kreativ- und Musikangebote. Zum musikalischen Programm gehören Beiträge aus der Gemeinde sowie ein Auftritt des Musikers Björn Amadeus. Um 18.30 Uhr beginnt der junge Gottesdienst; gegen 19.30 Uhr endet der Eröffnungstag.

Hintergrund

Sankt Nikolaus ist die älteste der vier katholischen Ostgemeinden. Die Kirche wurde ab 1895 nach Plänen von Baurat Ulrich Pohlhammer errichtet und 1899 geweiht. Im Zweiten Weltkrieg brannte sie aus und wurde anschließend wiederaufgebaut. Zuletzt war sie in den 1970er Jahren umfassend renoviert worden. Die Kosten des aktuellen Umbaus liegen bei rund vier Millionen Euro. Große Anteile tragen das Katholische Stadtdekanat Stuttgart und die Diözese Rottenburg-Stuttgart; 140.000 Euro bringt die Gemeinde über Spenden auf.

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