Zugleich begegnen ihr immer wieder Menschen, deren Ehe zerbrochen ist. „Als Kirche müssen wir auch für Menschen da sein, deren Lebenspläne scheitern“, sagt Adelmann. Kirche begleite Menschen nicht nur an den Höhepunkten ihres Lebens, sondern gerade auch in Lebenskrisen. „Gott ist nicht nur ein Schönwetter-Gott. Gerade in schweren Zeiten können Menschen Kraft im Glauben erfahren.“
Die eigene Würde spüren und neue Perspektiven zulassen
Der Kurs besteht aus einem Samstagnachmittag und drei Abendterminen. Inhaltlich führt er durch vier Etappen: Vergangenes würdigen, sich selbst halten lernen, die eigene Würde spüren und neue Horizonte entdecken. Zu Beginn erhalten die Teilnehmenden Raum, auf das Vergangene zurückzublicken, das Erlebte als Teil der eigenen Lebensgeschichte anzunehmen und Trauer zuzulassen. „Dabei soll es jedoch nicht darum gehen, in der Vergangenheit stehen zu bleiben. Vielmehr richtet sich der Blick zunehmend auf die eigenen Kraftquellen und die Frage, wie ein neuer Alltag gelingen kann“, sagt die 47-Jährige.
Der Ansatz verbindet Spirituelles mit Psychologie: Durch eine Kombination aus Atemarbeit, Meditation, kreativen Methoden und der gezielten Arbeit an inneren Glaubenssätzen entstehen neue Perspektiven. Ein Raum, um Gedanken neu zu ordnen, Kraft zu tanken und sich klar auszurichten. Die Teilnehmenden beschäftigen sich damit, eigene Bedürfnisse besser wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und fürsorglich mit sich selbst umzugehen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die eigene Würde. Eine Scheidung werde gesellschaftlich vielfach noch immer mit persönlichem Scheitern verbunden, beobachtet Adelmann. Der Kurs möchte dem eine andere Perspektive entgegensetzen: Auch nach einem tiefen Einschnitt ist ein erfülltes Leben möglich. „Ich wünsche mir, dass die Menschen viel Kraft und Hoffnung mitnehmen, Mut gewinnen und ihre Lebensfreude wiederentdecken“, sagt Adelmann. „Und dass sie erfahren: Das Leben lohnt sich, auch wenn ein Lebensentwurf zerbrochen ist.“
Die Bibel erzählt von Brüchen und Neuanfängen
Auch biblische Texte werden im Kurs eine Rolle spielen. Für die Gemeindereferentin liegt darin ein bewusster Gegenakzent zu Bildern eines scheinbar perfekten Lebens, wie sie in sozialen Medien vermittelt werden. Die Bibel erzähle von Menschen mit Brüchen, von Fehlern und Zweifeln, von Trauer, Klage und Neuanfängen. „Die Bibel zeigt, dass Gott auch da ist, wenn wir schwere Zeiten durchmachen“, sagt die Theologin. Gerade für Menschen nach einer Trennung könne diese Erfahrung wichtig sein.
Der Kurs greift außerdem die japanische Kunst des Kintsugi auf. Dabei werden zerbrochene Keramikstücke zusammengefügt und ihre Bruchstellen hervorgehoben, anstatt sie zu verstecken. Im Kurs wird Kintsugi zum Bild dafür, dass Brüche zur eigenen Lebensgeschichte gehören und daraus etwas Neues entstehen kann.
Offen für Menschen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit
„Trennung & Neuanfang“ ist ein Angebot der kirchlichen Seelsorge und keine therapeutische oder juristische Beratung. Voraussetzung für die Teilnahme sind psychische Stabilität und ein gewisser zeitlicher Abstand zur akuten Trennungsphase. Wer weitergehende Unterstützung benötigt, kann auf entsprechende Beratungsangebote verwiesen werden.
Das Angebot ist offen und richtet sich ausdrücklich auch an Menschen, die keiner Kirche angehören. Willkommen sind alle, die nach einer Trennung auf Sinnsuche sind und sich auf spirituelle Impulse einlassen möchten. „Natürlich ist die Ehe für uns als katholische Kirche ein Sakrament, aber Seelsorge bedeutet für uns ebenso, Menschen zu begleiten, wenn Lebenspläne scheitern. Gott ist auch dann da – und gerade dann kommt er uns entgegen.“
Termine und Anmeldung
Der Kurs umfasst einen Samstagnachmittag und drei Abende in Präsenz und findet in der Pauline, Paulinenstraße 18, in Stuttgart-Mitte statt. Die Leitung haben Beatriz Adelmann und Julia Deuschle. Die Teilnahme kostet 40 Euro.
• Samstag, 17. Oktober 2026, 14 bis ca. 17.30 Uhr
• Dienstag, 10. November 2026, 19.30 bis 21 Uhr
• Donnerstag, 3. Dezember 2026, 19.30 bis 21 Uhr
• Dienstag, 15. Dezember 2026, 19.30 bis 21 Uhr
Information und Anmeldung: Beatriz Adelmann, beatriz.adelmann@drs.de
Alle Infos finden Sie auch in dem Flyer zum downloaden.