Ursula Kaiser ist seit sieben Jahren Krankenhausseelsorgerin und leitet seit Februar 2026 die Katholische Krankenhausseelsorge Stuttgart. Die Idee, einen Hund in ihre Arbeit einzubeziehen, hatte die nebenberufliche Hundetrainerin schon lange. Nach dem Tod ihres früheren Hundes entschied sie sich daher bewusst für Hanna, einen Border Collie aus einer speziellen Therapiehunde-Zucht.
Therapiehunde lernen auch bei Stress ruhig zu bleiben
In ihrer Kollegin Verena Brummund, Pflegefachkraft und ebenfalls Hundetrainerin, fand sie eine Gleichgesinnte. Gemeinsam absolvierten die beiden Frauen mit ihren Hündinnen Hanna und Emmi eine einjährige Ausbildung. Dabei lernen die Tiere unter anderem, mit unterschiedlichen Menschen und ungewohnten Situationen umzugehen und auch bei Stress ruhig zu bleiben. Seit mehr als einem Jahr sind die beiden Teams inzwischen auf der Palliativstation im Einsatz. Im Wechsel besuchen sie jeweils am Freitagnachmittag die Patientinnen und Patienten.
„Manchmal sind auch die Begegnungen, bei denen der Hund dabei ist, nichts anderes als Seelsorge“, erzählt Kaiser. „Da ist der Hund nur am Anfang das Thema und wirkt weiter, während die Patienten und ich über ihre Ängste und Hoffnungen ins Gespräch kommen. Manchmal schweigen wir auch einfach und genießen gemeinsam die Stille.“
„Das Streicheln des Hundes tut der Seele gut“
Bevor Hanna ihren Einsatz beginnt, bekommt sie ihre blaue Kenndecke, die sie als Therapiehund kennzeichnet. Um 14 Uhr geht es gemeinsam auf die Station. Im Ärztezimmer erhält Kaiser die Liste der Patientinnen und Patienten, die sich einen Besuch der Hündin wünschen. Anschließend geht es von Zimmer zu Zimmer.
Hanna ist mit der Zeit gut in ihre Aufgabe hineingewachsen. Sie geht auf die Menschen zu, drückt sich an sie, gibt Pfötchen und freut sich über Leckerlis. „Die Wärme des Hundes und das Streicheln tun einfach der Seele gut – und das ist doch das, was wir wollen als Seelsorgende“, so Kaiser.
Nach spätestens zwei Stunden ist der Arbeitstag für Hanna beendet. Dann darf die dreijährige Hündin erst einmal draußen toben und sich anschließend ausruhen.
Hanna bringt Wärme und Alltag auf die Station
Die Therapiehündin schafft eine ganz besondere Atmosphäre im Krankenhausalltag. „Der Hund bringt ein Stück Alltag hinein: Das Emotionale, die Zuwendung, die Wärme, das Fell, das Taktile. Ich denke, das spricht die Menschen noch einmal auf einer anderen, tieferen Ebene an“, sagt die Krankenhausseelsorgerin.
Auch die Mitarbeitenden der Station freuen sich über Hannas Besuche. Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapeuten und Sozialarbeiter nehmen sich gerne Zeit für Streicheleinheiten. Auch sie nehmen die positive Wirkung der Vierbeiner war. „Man merkt, dass es die Patienten sehr beruhigt und angstlindernd wirken kann“, sagt Marie Kurtz, Fachärztin für Innere Medizin. Besonders für Menschen, die selbst einmal Tiere hatten, könne der Kontakt mit Hanna schöne Erinnerungen wecken. „Einige Patientinnen und Patienten fühlen sich durch die Besuche nicht mehr so alleine.“
Ein Angebot für mehr Lebensqualität
Die tiergestützte Therapie ist eines von mehreren Angeboten auf der Palliativstation im Marienhospital, die über die medizinische und pflegerische Versorgung hinausgehen. Neben der Hundetherapie gibt es dort auch Kunst- und Musiktherapie. Ziel ist es, die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten in einer besonders herausfordernden Lebensphase zu verbessern.
Finanziert wird das Hunde-Therapieangebot über den Förderverein der Palliativstation und Spenden. Die Eva Mayr-Stihl Stiftung unterstützt das Projekt in diesem Jahr mit 20.000 Euro.