Manchmal steckt in einem Glas Marmelade viel mehr als Obst und Zucker. Zum Beispiel Zeit, Zuwendung und die Überzeugung, dass jeder Mensch etwas für andere tun kann. Genau das beweisen die Frauen der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Vaihingen. Seit 2024 kochen sie regelmäßig Marmelade für die Caritas-Tagesstätte Olga46, die wohnungslose Menschen in Stuttgart unterstützt.
Auch im Oktober 2026 wurde wieder fleißig geschnippelt, gerührt und eingekocht. Aus Quitten, Pflaumen, Mirabellen, Kirschen, Johannisbeeren, Hagebuttenmark und verschiedenen Fruchtsäften entstanden mit 26 Kilogramm Einmachzucker zahlreiche köstliche Kreationen. Am Ende konnten rund 60 große Gläser an die Tagesstätte übergeben werden. „Unsere Marmeladenaktionen zeigen, dass engagierte Unterstützung Großartiges bewirken kann und zudem noch Freude macht: den Kochenden, den Spendenden und natürlich nicht zuletzt den obdachlosen Gästen, die dadurch ein leckeres Frühstück bekommen“, sagt Sandra Mercamp vom Kirchengemeinderat Zur Heiligen Familie.
Abwechslung am Frühstückstisch in der Olgastraße
Dort ist die Marmelade weit mehr als eine nette Zugabe. Täglich kommen bis zu 100 Menschen zum Frühstück in die Einrichtung. Manche haben die Nacht draußen verbracht. Viele haben keine eigene Wohnung und nur wenig Geld. Die hausgemachten Marmeladen bringen nicht nur geschmackliche Abwechslung auf den Tisch, sondern helfen auch dabei, die knappen finanziellen Mittel der Einrichtung zu schonen. „Bis auf wenige Kilo, die wir zukaufen müssen, stammt die gesamte Marmelade aus dieser Spende, über die wir uns sehr freuen“, sagt der Sozialarbeiter Kai Koch von der Olga46.
Begonnen hat alles mit einer Anfrage seitens der Caritas. Die Kirchengemeinden hatten die Olga46 bereits zuvor mit Kleider- und Hygienespenden unterstützt. Als 2024 die Frage nach Marmelade aufkam, entstand daraus eine regelmäßige gemeinsame Kochaktion.
Netzwerk an Helfern und Spenderinnen wächst
Inzwischen ist ein kleines Netzwerk der Hilfsbereitschaft gewachsen. Gemeindemitglieder, Familienangehörige, Freundinnen und Freunde spenden Obst, kochen selbst Marmelade oder helfen bei der Verarbeitung. Rund 150 Gläser kamen im ersten Jahr zusammen, 2025 waren es schätzungsweise bereits 300.
Dass die Unterstützung ankommt, zeigen die Rückmeldungen aus der Tagesstätte. Die Besucherinnen und Besucher schätzen besonders die Qualität und die abwechslungsreichen Sorten. Die Vorräte aus dem vergangenen Jahr reichten teilweise bis Juni oder Juli.
Die Aktion verbindet vieles, was gelebte Nächstenliebe ausmacht: Menschen sehen, die Unterstützung brauchen, vorhandene Ressourcen sinnvoll nutzen und gemeinsam handeln. „Wir freuen uns, dass wir immer mehr Unterstützung von Menschen aus der Gemeinde und dem Stadtbezirk bekommen“, sagt die Kirchengemeinderätin Christine Arndt, die die Aktion mit ins Leben gerufen hat.
Nächste Aktion startet im Advent zugunsten der Olga46
Die nächste Aktion der Kirchengemeinde zugunsten der Olga46 wird im Dezember der umgekehrte Adventskalender sein, bei dem Frauen und Männer aus der Gesamtkirchengemeinde kleine Geschenke wie Hygieneartikel, Süßigkeiten oder warme Kleidung für die Gäste der Olga 46 spenden. Auch den Erlös aus dem diesjährigen Gemeindefest kommt der Obdachloseneinrichtung zu Gute.