Kirchweihe am 8. November

Kita in der Kirche: St. Ulrich wird nach Umbau am 8. November wiedereröffnet

Weniger Kirche, mehr Raum für anderes: im Stuttgarter Fasanenhof zeigt ein außergewöhnliches Bauprojekt, wie der Wandel gestaltet werden kann. Die katholische Gemeinde St. Ulrich hat ihre große Kirche aus den 1960er Jahren grundlegend umgebaut. Wo bisher ausschließlich Gottesdienst gefeiert wurde, finden künftig auch eine viergruppige Kindertagesstätte und die Gemeinderäume Platz. Am Sonntag, 8. November 2026, um.30 Uhr weiht Bischof Klaus Krämer den neuen Kirchenraum. Anschließend sind alle Besucherinnen und Besucher zu Mittagessen und Gemeindefest in der benachbarten evangelischen Bonhoeffer-Gemeinde eingeladen. Kita und Gemeinderäume werden erst 2027 fertig.

Der Gewählte Vorsitzende der Kirchengemeinde St. Ulrich Marc Behrens und Pfarrer Martin Uhl vor den kunstvollen Glasfenstern in der umgebauten Kirche.

Das Projekt gilt als Leuchtturm für einen zukunftsorientierten Umgang mit kirchlichen Gebäuden. Statt die zu groß gewordene Kirche abzureißen oder vollständig aufzugeben, wurde sie im Bestand umgebaut. Die markante Gebäudehülle und der Kirchturm blieben erhalten, während im Inneren neue Räume und Nutzungen entstanden. „Wir werden kleiner, haben die einmalige Chance genutzt, die Reduzierung auf eine gute Weise zu gestalten“, sagt Martin Uhl, der leitende Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde St. Hedwig und St. Ulrich.

In der Entstehungszeit vor rund 60 Jahren war St. Ulrich Ausdruck einer wachsenden Kirche. Die Gemeinde errichtete ein großzügiges Ensemble mit einer Kirche für 600 Gottesdienstbesucher, Kindertagesstätte, Gemeindezentrum, Jugendräumen und Wohnungen. Heute sind die räumlichen Bedürfnisse andere. Zugleich müssen die Gemeinden mit weniger finanziellen Mitteln auskommen.

Statisch herausfordernd: Kita und Gemeinderäume wurden in Kirche eingebaut

In St. Ulrich entschied sich die Gemeinde frühzeitig für eine grundlegende Neuordnung des Standorts. Die Kirche behält ihre äußere Gestalt, doch nur noch rund ein Drittel der bisherigen Grundfläche dient künftig als Sakralraum. Auf den übrigen zwei Dritteln entstanden drei neue Nutzungsebenen. Die Kita zieht ins Erdgeschoss und erste Obergeschoss, Gemeinderäume und Pfarrbüro finden im zweiten Obergeschoss Platz. Damit werden Kirche, Kinderbetreuung und Gemeindeleben unter einem Dach zusammengeführt. Die Kinder können nach ihrem Einzug im nächsten Jahr mit den Hausschuhen in den Kirchenraum kommen, um dort gemeinsam zu beten oder den Morgenkreis zu feiern. „St. Ulrich zeigt, wie sich Kirche an veränderte Rahmenbedingungen auf eine gute Weise anpassen kann. Wir bleiben im Stadtbezirk präsent als kirchlicher Ort für Familien, für Begegnung im Viertel und als Ort des Glaubens und der Gemeinschaft“, sagt Stadtdekan Christian Hermes. 

Die großflächigen Fenster sorgen für besondere Lichtstimmung

Die Kirche St. Ulrich hat durch den statisch herausfordernden Umbau gewonnen. Die ursprüngliche Raumhöhe blieb erhalten. Die großflächigen Glasfenster von Lothar Quinte und Markus Prachensky rücken stärker in den Fokus und sorgen für eine besondere Lichtstimmung. Pfarrer Uhl fühlt sich beim Betreten an die Sainte-Chapelle in Paris erinnert, deren schmaler, hoher Raum ebenfalls ganz vom Licht der Fenster lebt. Auch der neue Grundriss hat eine besondere Bedeutung. Der trapezförmige Kirchenraum verbindet den Taufort an der schmaleren Seite mit dem Altar im breiteren Bereich. Für Uhl ist das ein starkes theologisches Bild: In der Taufe werden Menschen in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen, am Altar feiern sie miteinander Eucharistie. Der österreichische Künstler Albrecht Zauner hat die neuen liturgischen Orte gestaltet. Dunkler Basalt aus Südtirol, Glas und die Farben der historischen Fenster verbinden sich zu einem eindrucksvollen Gesamtbild. „Es gab eine lange Diskussion: Wird die Kirche geschlossen oder bleibt sie erhalten? Ich bin sehr froh, dass wir am bald Wiedereröffnung feiern in einer Kirche, die zur Größe unserer Gemeinde passt“, sagt Marc Behrens, der Gewählte Vorsitzender der Kirchengemeinde St. Ulrich.

Nachhaltiger Umbau: alte Kirchenbänke wurden restauriert

Auch Nachhaltigkeit spielt bei dem Umbau eine wichtige Rolle. Die bestehende Gebäudehülle wurde weitergenutzt, die bisherigen Kirchenbänke aus Mahagoniholz aufgearbeitet und wieder eingebaut. Der neue Kirchenraum bietet rund 120 feste Sitzplätze und zusätzliche flexible Bestuhlung. Für Pfarrer Uhl ist die Wirkung überzeugend: „Man kommt rein und sagt: Wow! Es ist wirklich ein schöner, sakraler, erhebender Raum.“

Neben der Kirche plant Siedlungswerk neues Wohnquartier

Die Finanzierung des nach derzeitigem Stand auf 12,4 Millionen Euro veranschlagten Umbaus hängt wesentlich mit der Neuordnung des Grundstücks zusammen. Die Gemeinde verkauft die Fläche des bisherigen Gemeindezentrums und angrenzende Grundstücksteile an das Siedlungswerk. Dort soll nach dem Entwurf des Architekturbüros a+r ein neues Quartier mit rund 70 Wohnungen entstehen. 

Der Umbau der Kirche wurde vom Architekturbüro Kissler + Effgen geplant. Die Fertigstellung erfolgt in Etappen: Während die Kirche am 8. November geweiht wird, können  die neuen Kita-Räume und die Gemeinderäume erst Anfang 2027 bezogen werden. 

Gottesdienste am Mittwochabend werden künftig von K-TV übertragen

Mit der Kirchweihe beginnt auch eine neue mediale Nutzung. St. Ulrich soll zu einer regelmäßigen Übertragungskirche des katholischen Fernsehsenders K-TV werden. Der Kirchweihgottesdienst wird live übertragen, ab Advent sind Übertragungen der Mittwochabendgottesdienste um 18.30 Uhr vorgesehen.

Festprogramm nach Pontifikalamt mit Bischof Klaus Krämer

Der Festgottesdienst mit Bischof Klaus Krämer beginnt am 8. November um 9.30 Uhr. Auf dem Programm stehen eine festliche Mozart-Messe und Anton Bruckners „Locus iste“. Für weitere Gäste wird der Gottesdienst in den alten Gemeindesaal übertragen. Anschließend lädt die Gemeinde zum gemeinsamen Mittagessen und Festprogramm in die Gemeinderäume der evangelischen Bonhoeffer-Gemeinde ein. Geplant sind ein Kirchen-Quiz, es gibt Live-Musik und Kinderprogramm.  Um 17 Uhr endet der Tag mit einer feierlichen Vesper in der Kirche St Ulrich. 

 

Der Sender K-TV überträgt den Gottesdienst am 9. November ab 9.30 Uhr im Livestream.  Im Anschluss wird eine Reportage über den Umbau der Stuttgarter Kirche gesendet. 

 

 

 

 

 

Kennen Sie unseren Newsletter? 

Wir informieren Sie gerne über unsere aktuellen Themen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an. 

Anmelden