Lesung und Gespräch

Johanna Beck stellt ihr Buch vor: Mach neu was dich kaputt macht

Als Kind und Jugendliche ist Johanna Beck von einem katholischen Ordensmann missbraucht worden. Nach Jahren der Ablehnung hat die 38-Jährige Publizistin und Literaturwissenschaftlerin zur katholischen Kirche zurückgefunden, wo sie sich als Kirchengemeinderätin in St. Eberhard, als Mitglied im Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz und beim Synodalen Weg engagiert. In ihrem Buch „Mach neu, was dich kaputt macht“ erzählt sie von Missbrauch, dem Drill im Pfadfinderstamm, aber auch von ihrem Glauben, der sie durch ihre dunkelsten Jahre geführt hat. Heute setzt sich Johanna Beck für eine geschlechtergerechte Kirche ein, die ihre Missbrauchsabgründe lückenlos aufarbeitet und die im Sinne der Opfer handelt. „Ich will die frohe Botschaft nicht den Evangeliumsverdunklern überlassen. Ich möchte Kirche gestalten“, sagt die Katholikin. Johanna Beck stellt ihr Buch am Freitag, 25. März, coronabedingt online vor - und leider nicht wie geplant in Präsenz im Haus der Katholischen Kirche.

© Heinz Heiss

Johanna Beck verbindet in ihrem Buch den Blick zurück mit dem nach vorne: der Blick zurück erzählt von geistlichem Missbrauch und sexualisierten Übergriffen beim Beichtgespräch, von einem voyeuristischen Ordensmann und einer Pfadfinderschaft, die die Kinder mit einem strafenden Gottesbild und der Angst vor dem Teufel klein hält. Der Blick voraus erzählt von einer Kirche, die Johanna Beck wieder zu einer spirituellen Heimat geworden ist. Von einer Kirche, die sie verändern möchte, weg von der rigiden Sexualmoral, die sie als Kind erlebt hat, weg von der Priesterzentriertheit hin zu einer Kirche, in der auch Frauen Priesterinnen und Diakoninnen werden können, in der Bischöfe an Gremienentscheidungen gebunden sind und in der gleichgeschlechtliche Paare ganz selbstverständlich ihren Platz haben. „Wir erleben in der katholischen Kirche im Moment eine enorme Dynamik durch den Synodalen Weg, durch Initiativen wie Maria 2.0 und OutInChurch. Auch wenn der Vatikan kein Entgegenkommen signalisiert, bin ich sicher, dass diese Reformbewegungen Veränderungen bringen werden – die Frage ist nur, ob in den bestehenden Strukturen oder außerhalb“, sagt Johanna Beck.

Die Verantwortlichen an ihre Verantwortung gegenüber den Opfern erinnern

Ihr zentrales Anliegen ist es, die Verantwortlichen in der katholischen Kirche immer und immer zu ermahnen, dass alle Missbrauchsfälle lückenlos ausgeleuchtet und aufgearbeitet werden müssen. „Der Schutz der Opfer muss im Zentrum stehen und nicht der Schutz der Täter und der Institution“, so die Stuttgarterin. An ihrem eigenen Missbrauchsfall freilich erlebt sie, dass sich Verfahren über Jahre ziehen, dass Opfern noch immer keine Akteneinsicht gewährt wird, dass Täter weiter unbehelligt Dienst tun. „Ich kenne keinen Betroffenen und keine Betroffene, die sagt, ihr Verfahren sei gut gelaufen. Alle erleben Enttäuschungen.“ Im Fall von Johanna Beck ist der Ordensmann, gegen den sie ein kirchliches Verfahren eröffnet hat, weiter im Bistum Salzburg in der Seelsorge tätig. Vor wenigen Wochen musste sie zudem erleben, dass die Deutsche Bischofskonferenz gerade die Katholische Pfadfinderschaft Europas, unter der sie jahrelang gelitten hat, offiziell als privaten kanonischen Verein anerkannt hat. Für Johanna Beck ein herber Schlag.

Wunsch nach einem Neuanfang der Kirche

An das Ende ihres Buches hat Johanna Beck eine Liste gestellt, mit den Veränderungen, die sie sich wünscht: eine Demokratisierung der kirchlichen Machtstrukturen, einen entschiedenen Kampf gegen Klerikalismus, eine Reform der katholischen Sexualmoral, Geschlechtergerechtigkeit, freie Gewissensentscheidung statt Gehorsam, Wertschätzung und Förderung der sexuellen und spirituellen Selbstbestimmung. Für Johanna Beck ist klar: „Sollte sich die Kirche in absehbarer Zeit als veränderungswillig und veränderbar erweisen, dann werde ich bleiben. Wenn nicht, dann werde ich vermutlich eines Tages der Kirche wieder den Rücken zukehren und einen anderen Weg einschlagen.“

Lesung und Gespräch online

Die Buchvorstellung, zu der das Katholische Bildungswerk Stuttgart einlädt, beginnt am Freitag, 25. März, um 19 Uhr online. Mit dabei sein wird Stadtdekan Christian Hermes, die Moderation übernimmt Roland Weeger, der Leiter von Bildungswerk und HdKK. Anmeldungen sind möglich über die Homepage des Bildungswerks . Das Buch „Mach neu, was dich kaputt macht“ ist im Verlag Herder erschienen. Einwählen können sich alle Interessierten unter folgendem Zoom-Link (der Eintritt entfällt):

us06web.zoom.us/j/87851524077
Meeting-ID: 878 5152 4077
Kenncode: 817720

Zur Person Johanna Beck

Johanna Beck arbeitet als Publizistin für „Christ in der Gegenwart“ und ist als Referentin zu den Themen Missbrauch und die Rolle der Frauen in der Kirche tätig. Seit November 2020 gehört Johanna Beck dem Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz. Als Mitglied des Betroffenenbeirats arbeitet sie seit diesem Jahr auch beim Synodalen Weg mit. Die Katholikin engagiert sich zudem seit zwei Jahren in der Bewegung Maria 2.0. Seit 2020 gehört die Stuttgarterin dem Kirchengemeinderat von St. Eberhard an. Die 38-Jährige studiert zudem Theologie im Fernstudium an der Universität Würzburg. Erst vor wenigen Tagen hat sie gemeinsam mit den Sprechern des Betroffenenbeirats der Bischofskonferenz den Herbert-Haag-Preis verliehen bekommen.

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