Rund 30 Ehrenamtliche auf dem Hauptfriedhof und ebenso viele auf dem Pragfriedhof gestalten das Café Kränzchen mit großer Hingabe und unterstützt von den Hauptamtlichen der Bürgerstiftung und der beiden Kirchen. Sie decken die Tische, backen Kuchen, schenken Kaffee ein und nehmen sich Zeit zuzuhören. „Die Friedhöfe sind besondere Orte mitten in der Großstadt. Sie laden zum Verweilen ein, bringen Menschen zusammen und machen Gespräche möglich, die an einem anderen Ort so vielleicht gar nicht stattfinden würden“, sagt Katja Simon von der Bürgerstiftung Stuttgart, die das Café Kränzchen gemeinsam mit ihrer Kollegin Silke Ulbricht in Stuttgart ins Leben gerufen hat.
Friedhöfe als Orte, die Menschen verbinden
Unterstützt wird das besondere Angebot von der Evangelischen und der Katholischen Kirche in Stuttgart. Mit dabei ist auch die Sozialpädagogin Anne-Maria Sontheimer von der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Neckar: „Friedhöfe sind Orte, die Menschen verbinden: diejenigen, die die Gräber ihrer Angehörigen besuchen und Menschen, die an einem friedlichen Ort in der Großstadt ein wenig Natur und Ruhe suchen.“ An den Kaffeetisch eingeladen sind alle, die offen sind für Begegnung. Kaffee und Kuchen sind umsonst. Wer möchte, kann das Projekt mit einer Spende unterstützen.
Am Kaffeetisch werden Erinnerungen ausgetaucht
Wer sich an einen der Tische gesellt, merkt schnell: Da werden Lebensgeschichten erzählt, Erinnerungen an verstorbene Angehörige ausgetauscht, Alltagserlebnisse und Schicksalsschläge geteilt, aber auch Diskussionen über gestiegene Lebensmittelpreise geführt. Eine 88-jährige Friedhofsbesucherin erinnert sich an die Lebensmittelknappheit in Kriegszeiten und an ihr erstes Gehalt von 250 D-Mark in den 1950er Jahren. Ein älteres Ehepaar erzählt lebhaft von den arbeitsreichen Jahren als selbstständige Unternehmer im Lebensmittelhandel. „Die Gesprächsthemen beim Café Kränzchen sind vielfältig. Oftmals geht es um wesentliche Dinge im Leben“, sagt Katja Simon von der Bürgerstiftung.
Projekt bringt viele Menschen zusammen
An diesem Dienstagnachmittag mit dabei ist auch Annemarie Zinser, die sich als Kommunionhelferin in St. Eberhard und ehrenamtlich beim Café Kränzchen einbringt. Sie wohnt in der Nähe des Hauptfriedhofs und schätzt diesen als Ort der Stille und des Nachdenkens. Sie schätzt aber auch die Begegnungen beim Café Kränzchen. „Die Menschen, die kommen, sind offen. Wir erleben auch, dass Kontakte entstehen, die über das Friedhofscafé hinausgehen.“
Mitgetragen wird das Café Kränzchen auch von der evangelischen Gemeinde NeuSteinHofen. „Es ist schön, dass das Projekt so viele Menschen zusammenbringt. Niemand muss über eine Schwelle gehen, alle sind eingeladen. Es reicht, sich an einen der schön gedeckten Tische zu setzen“, sagt Dorothee Niethammer-Schwegler, die geschäftsführende Pfarrerin von NeuSteinHofen.
Café Kränzchen an zwei Orten
Auf dem Hauptfriedhof (Steinhaldenstraße 52 in Bad Cannstatt) lädt das Café Kränzchen immer dienstags (außer an Feiertagen) von 14.30 bis 17 Uhr zum Gespräch und zum Verweilen ein.
Das Café Kränzchen auf dem Pragfriedhof im Stuttgarter Norden (Friedhofstraße 44) lädt jeden Donnerstag (außer an Feiertagen) von 14.30 bis 17 Uhr zu Kaffee, Kuchen und Begegnung.
Hier in Kooperation mit der katholischen Kirchengemeinde St. Georg und der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart Nord.
Für beide Standorte gilt: Das Café findet nur statt, wenn es nicht regnet.
Weitere Informationen zum Café Kränzchen finden sich auf der Homepage der Bürgerstiftung Stuttgart.