Jahresempfang

"Wir sind froh wieder zusammenzukommen"

200 geladene Gäste aus Kirche, Politik, Kultur und Verwaltung sind an diesem Mittwochabend (15. September) zum Jahresempfang der Katholischen Kirche im Kursaal in Bad Cannstatt zusammengekommen. "Wir alle sind dankbar dafür, dass wir uns überhaupt wieder treffen können", stellte Stadtdekan Christian Hermes in seiner Begrüßungsrede fest. Und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper wies in seinem Grußwort die große Bedeutung der Kirchen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Stadt hin.

Nach zweieinhalb Jahren Zwangspause durch Corona konnte endlich wieder ein Jahresempfang stattfinden, bei dem das Thema Pandemie und Impfung denn auch nicht fehlen durften: "Wir sind dankbar, dass es Perspektiven aus der Corona-Pandemie heraus und dass es wirksame Impfstoffe gibt", sagte Stadtdekan Christian Hermes, verbunden mit der Aufforderung, sich impfen zu lassen. "Auch wenn es keine gesetzliche Impfpflicht gibt, gibt es doch eine moralische Pflicht, sich und andere zu schützen."

Religionen in Stuttgart suchen engen Austausch

Begrüßen konnte Stadtdekan Hermes insgesamt 200 Gäste, darunter neben dem amtierenden Oberbürgermeister Frank Nopper auch seine Vorgänger Fritz Kuhn und Wolfgang Schuster. Unter den Gästen zu finden waren zudem viele Vertreterinnen und Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, was Hermes zum Anlaß nahm, auf die gute und enge Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften in Stuttgart hinzuweisen: "Es ist ein gutes Zeichen, dass die Religionen in Stuttgart im Rat der Religionen Gespräch und Austausch suchen und insbesondere auch zusammenhalten, wenn es gilt, gegen Antisemitismus, Antiislamismus und jede Form religiöser Diskriminierung, Hass und Ausländerfeindlichkeit klare Kante zu zeigen."

Ein Blick voraus auf den Katholikentag in Stuttgart

Mitgefeiert haben auch einige Vertreter aus der Organisation des 102. Deutschen Kathoilkentags, der vom 25. bis 29. Mai 2022 in Stuttgart stattfinden wird. Und so gab es erste Ausblicke auf das Großereignis in der Landeshauptstadt: Im Programm zu finden sein werden 1300 Veranstaltungen, erwartet werden an den fünf Tagen 35 000 Gäste. "Als katholische Kirche werden wir dialogbereit, auf der Höhe der Zeit die religiösen und gesellschaftlichen, auch innerkirchlich brisanten Fragen der Gegenwart in den Blick, in den Diskurs und ins Gebet nehmen.", so Stadtdekan Hermes. Und ergänzte in Sachen Gastfreundschaft: "Als Stuttgarterinnen und Stuttgarter wollen und werden wir uns gastfreundlich zeigen und alle Teilehmenden für unsere Stadt und unseren speziellen schwäbischen Charme begeistern."

OB Nopper: "Wir brauchen Menschen, die für gemeinsame Werte stehen"

Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper ging in seinem Grußwort auf die Bedeutung der Kirchen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein: "Sie sind so etwas wie das kulturelle und ethische Rückrat einer städtischen Gesellschaft. Sie wirken in ihren sozialen Diensten und ihren Erziehungs- und Bildungseinrichtungen für das Gemeinwohl und haben deswegen nicht nur die Partnerschaft, sondern sogar die freundschaftliche Partnerschaft der Kommune verdient." Gerade in einer Zeit der Individualisierung, der Vereinsammung und des Auseinanderdriftens der Stadtgesellschaft brauchen "wir die Kirchen als Versöhner, Verbinder und Integratoren". "In diesen Zeiten brauchen wir Menschen und Institutionen, die für Solidarität, gemeinsame Werte und den Blick aufs Ganze stehen", so der Stuttgarter OB.

Von Hegels Vernunftoptimismus zum Gottvertrauen

Um Haltung ging es auch in dem Gastvortrag von Dr. Sebastan Ostritsch vom Institut für Philosophie der Universität Stuttgart, der sich mit dem in der Landeshauptstadt geborenen Weltphilosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und der Wirkmacht der Vernunft auseinandersetzte. Osrtritsch präsentierte drei grundlegende Charakterzüge der Hegelschen Philosphie in anschaulicher, unterhaltsamer und überaus verständlicher Weise: die Kritik am Relativismus, Hegels Dialektik und Hegels Überzeugung von der Wirksamkeit der Vernunft. Ostrtisch baute biblische Geschichten ein und stellte Bezüge zur katholischen Soziallehre her. "In Wahrheit - und hierin kommen katholische Soziallehre und Hegelsche Sozialphilosophie überein - sind Individuum und Gesellschaft wechselseitig aufeinander bezogen. Eine sinnhafte Identität kann ein Indivudiuum nur innerhalb einer Gemeinschaft ausbilden."

"Von Hegel können wir den Mut zum Irrtum lernen"

Was man von Hegel noch lernen könne? "Nur wer bereit ist, seine Überzeugungen als objektiv wahr und damit auch für andere verbindlich zu verteidigen, geht das Risiko des Irrtums ein. (...) Von Hegel können wir also den Mut zum Irrtum lernen", so der Hegel-Forscher und Katholik Sebastian Ostritsch. "Was vernünig ist, muss sein." Dieses Zitat stellte Ostritsch seinem Vortrag voran und endete mit der Feststellung: "Mit Hegels Vernunftoptimismus geht eine Einstellung einher, die man alternativ als Vernunft- oder Gottvertrauen bezeichnen könnte. Eine solche Einstellung richtet den Blick nicht auf die kleinen und großen Unvollkommenheiten, die jeder allzu leicht zu erblicken vermang, sondern auf das, was hinter dieser Oberfläche als vernünftige bzw. göttliche Vorsehung wirkt."

 

 

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