Schwester Nicola Maria Schmitt hat viel Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen. An der Infotheke im Haus der Katholischen Kirche und bei den Aktionen der Citypastoral sucht sie das Gespräch auch über die katholische Kirche. „Wenn die Kirche für die Menschen relevant bleiben möchte, muss sie Gleichberechtigung und Gewaltenteilung zulassen“, ist Schwester Nicola Maria überzeugt. Der Synodale Weg hat in einem dreijährigen Prozess viele gute Reformvorschläge erarbeitet, die umgesetzt werden müssen. In der nächsten Woche kommen weitere Entscheidungen zu Frauenordination und Laienpredigt, Mitsprache und geschlechtliche Vielfalt hinzu. An die Bischöfe hat die Ordensfrau zum Abschluss des Synodalen Weges vor allem eine Erwartung: „Die Bischöfe sind verpflichtet, die Synodalität in ihren Gremien umzusetzen und die Spielräume für Mitsprache, die sie schon jetzt haben, beherzt auszuschöpfen.“
Stadtdekan: „Bischöfe müssen den Geist des Prozesses in ihren Diözesen umsetzen“
Auch der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes hat eine klare Erwartungshaltung gegenüber den Bischöfen: „Die Glaubwürdigkeit der Kirche, vor allem auf der Leitungsebene, hat so sehr gelitten. Umso wichtiger ist es, dass viele Bischöfe hinter dem Synodalen Weg stehen und die Beschlüsse und den Geist dieses Prozesses dann auch in ihren Diözesen umsetzen.“ Hermes hofft auf einen guten Abschluss in Frankfurt: „Inzwischen hat der weltweite synodale Prozess Fahrt aufgenommen und gezeigt, dass die Themen, die uns in Deutschland bewegen, weltweit von vielen benannt werden, aber auch, dass von verschiedenen Seiten der Prozess kritisch kommentiert oder sogar gestört wird. Wir werden unser Programm nun mit dieser Versammlung abschließen und unter anderem über Themen wie die Rolle und Lebensform der Priester, über Frauenordination und Laienpredigt, Konsequenzen aus dem sexuellen Missbrauch und Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt beraten. Ich hoffe, dass die Versammlung in einer konstruktiven Atmosphäre gute Entscheidungen trifft.“
Johanna Beck: Der Synodale Weg ist fast zu Ende – es leb der Synodale Weg!“
Die Stuttgarter Publizistin und Kirchengemeinderätin Johanna Beck, die als Mitglied im Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz beim Synodalen Weg ohne Stimmrecht dabei ist, warnt davor, den Synodalen Weg an „Schwarz-Weiß-Ergebnissen“ zu messen und die wichtigen Begleiterscheinungen zu übersehen: „Der Synodale Weg hat seinen Ursprung vor allem in der Missbrauchskrise und deshalb war und ist es auch sein Ziel, verletzende, diskriminierende und missbrauchsbegünstigende Strukturen zu reformieren. Betrachtet man die faktischen Resultate, Texte, Abstimmungsergebnisse sowie die Reaktionen aus Rom durch die „Erfolgs-Linse“, so könnte man auf den ersten Blick zu einem eher verhaltenen Urteil gelangen: Einige Texte sind sehr vorsichtig formuliert, die Beschlüsse sind kirchenrechtlich nicht bindend, der Grundtext des Forums IV wurde von zu vielen Bischöfen abgelehnt und der Vatikan versucht regelmäßig, Stoppschilder aufzustellen. Auf der anderen Seite fanden aber auch äußerst wegweisende Texte sowie der Beschluss zur Errichtung eines Synodalen Rates eine große Mehrheit. Zudem sollte man das Gelingen des Synodalen Weges nicht ausschließlich an seinen Schwarz-auf-Weiß-Endergebnissen messen, sondern sich auch seine ermutigenden „Begleiterscheinungen“ vor Augen führen: ein ehrliches Ringen, ein ungekannter Freimut, eine verstärkte Sensibilisierung für die Missbrauchsproblematik, bischöfliche Lernkurven, vielversprechende Dynamiken und starke Grassroots-Initiativen. Diese beiden – die offiziellen und die inoffiziellen – Prozesse sind nicht mehr aufzuhalten und werden die Kirche nachhaltig zum Besseren verändern. Der Synodale Weg ist fast zu Ende – es lebe der Synodale Weg!“
Schwester Nicola Maria: Mut zur eigenen Meinung haben
Auch für Schwester Nicola Maria hat der Synodale Weg eines auf jeden Fall schon bewirkt: eine Veränderung in der Haltung: „In den drei Jahren haben wir alle gelernt, kontrovers zu diskutieren, andere Meinungen zuzulassen, zuzuhören, offen zu sein, Ideen zuzulassen, und Mut zur eigenen Meinung zu haben.“ Die Stuttgarter Vinzentinerin hat für sich und für die Kirche vieles aus den theologischen Grundsatztexten des Synodalen Weges mitgenommen: Haltungen im Glauben und im Leben. Für die 61-Jährige hat sich ein Lebenskreis geschlossen: schon als 14-jährige hat sie Verantwortung in der kirchlichen Jugendarbeit übernommen und jetzt Verantwortung als Delegierte beim Synodalen Weg. Die Mitwirkung beim weltweiten synodalen Prozess allerdings hat die Vinzentinerin abgelehnt. „Ich sehe meine Aufgabe in der Kirche vor Ort. Dort möchte ich mich dafür einsetzen, dass die Reformvorschläge aus dem Synodalen Weg umgesetzt werden.“