Was erwarten Sie von der Vollversammlung des Synodalen Wegs, die am Donnerstag beginnt?
Bevor wir in die eigentliche Tagesordnung einsteigen, wird es anlässlich des jüngst im Erzbistum München und Freising veröffentlichten Gutachtens eine Aussprache unter dem Titel „Kirche als Verantwortungsgemeinschaft“ geben. Dabei geht es sowohl um die Verantwortungsübernahme einzelner Personen als auch der Institution Kirche. Von Missbrauch Betroffene werden zu Wort kommen. Sie werden uns sagen, was sie von der Kirche, von den Kirchenoberen an konkreten Schritten erwarten. Die Betroffenen haben in den vergangenen Jahren viele Entschuldigungen von Kirchenverantwortlichen gehört und auch viele Schambekundungen. Jetzt muss es darum gehen, wie Kirchenleitungen ihrer Verantwortung wirklich gerecht werden mit allen Konsequenzen.
Welche Reformschritte erhoffen Sie sich persönlich?
Zunächst einmal ist es wichtig, sich klar zu machen, wie viel der Synodale Weg schon jetzt angestoßen und verändert hat. Die kirchliche Sexualmoral zum Beispiel, die bisher die Ehe als schützenswerten Rahmen für Kinder ins Zentrum gerückt und dabei andere Lebensformen herabgewürdigt hat, wird jetzt sehr viel weiter gedacht. Kirche hat Menschen aufgrund ihrer Homosexualität ausgegrenzt. Jetzt zeigen wir Wege auf, wie wir als katholische Kirche gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit Respekt begegnen können. In einem Handlungstext dieses Forums wird es auch um die Grundordnung des kirchlichen Dienstes gehen, was unter anderem auch eine Forderung der Menschen war, die sich vor einer Woche unter #OutInChurch zu Wort gemeldet haben.
Was nehmen Sie schon jetzt aus dem Synodalen Weg mit?
Wir erleben in unserer Kirche bis heute viele Formen von Machtmissbrauch und wir erleben Überheblichkeit von Amtsträgern. Aber der Synodale Weg zeigt auch: Kirche ist dazu in der Lage, zu reflektieren. Kirche bewegt und verändert sich, das ist wichtiges Signal an die Menschen. Wir müssen zurück zu unseren Wurzeln. Jesus hat uns den Dienst am Menschen vorgelebt. Wir müssen als Kirche zu dieser dienenden Haltung zurückkehren und den Blick auf unsere Nächsten richten. Nur so können wir als Kirche unsere Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Außerdem habe ich erfahren dürfen, wie wichtig es ist, aufeinander zu hören, auch wenn die Positionen noch so unterschiedlich sind.
Sie leben als Ordensfrau zölibatär. Auch diese Lebensform nimmt der Synodale Weg in den Blick.
Als Ordensfrau verpflichte ich mich zu Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit. Ich lebe nach den Evangelischen Räten. Was der Synodale Weg in dem Forum „Leben in gelingenden Beziehungen“ auf eine gute Weise aufzeigt: Zölibatär leben können nur Menschen, die beziehungsfähig sind. Das wird heute oft vergessen oder gar nicht mehr wahrgenommen.
Haben Sie Sorge, dass der Synodale Weg am Votum der Bischöfe scheitern könnte?
Nein, ich bin schon aus meinem Glauben heraus Optimistin. Dieses Mal kommen zum ersten Mal drei Textvorlagen zur zweiten Lesung und damit zur endgültigen Abstimmung. Einer davon ist der sogenannte Orientierungstext, der qualitativ sehr gut ist und der als Grundlage für alle Foren gelten wird. Wir haben uns als katholische Kirche in Deutschland auf den Weg gemacht und das allein ist wichtig. Dank dem Synodalen Weg sind wir als deutsche Kirche auch gut auf den weltsynodalen Prozess vorbereitet, den Rom angestoßen hat.