Es ist eine bewegende Geschichte: Der Stuttgarter Installateurmeister Manfred Glaser hat vor 20 Jahren der katholischen Kirchengemeinde St. Josef ein Wohnhaus in Heslach als Schenkung überlassen – mit einem klaren Zweck: obdachlosen Menschen zu helfen. Diese Schenkung hat es möglich gemacht, dass Pfarrer Roland Renz zusammen mit vielen Unterstützerinnen und Unterstützern viele Jahre lang Obdachlosenarbeit in dem „Glaserhaus“ in der Kelterstraße leisten konnte. Inzwischen ist Pfarrer Renz im Ruhestand, die Schenkung von Manfred Glaser aber soll weiter wirken.
Großzügigkeit und Nächstenliebe wirken noch immer
Deshalb hat die Kirchengemeinde das Haus verkauft und den Ertrag dem Stuttgarter Caritasverband für seine Obdachlosenarbeit treuhänderisch überlassen. „Auf diese Weise wird der Wille von Manfred Glaser auch in Zukunft erfüllt. Obdachlosen Menschen kommt die Großzügigkeit des Stuttgarter Handwerkermeisters weiterhin zugute“, sagt Stefanie Weibert, die Gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Josef. Auch Michael Heil ist überzeugt: „Wir haben eine gute Lösung gefunden. Die Caritas als katholischer Sozialverband hat viel Erfahrung in der Obdachlosenarbeit und weiß, was Menschen, die obdachlos sind oder von Obdachlosigkeit bedroht sind, an Unterstützung brauchen“, so der Pfarrer, der noch bis Ende 2025 als Administrator für die Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Südgemeinden wirkt.
Medizinische Versorgung der Menschen verbessern
Die Caritas wird die Mittel aus der Schenkung von Manfred Glaser in verschiedenen Bereichen einsetzen, darunter auch im Gesundheitsbereich. Wenn wohnungslose Menschen aus dem Krankenhaus entlassen werden, müssen in vielen Fällen Wundverpflegung und Nachsorge organisiert werden. Zudem ist der Zugang von traumatisierten wohnungslosen Frauen und Männern zu Therapeutinnen und Therapeuten aufwändig und häufig nur mit Begleitung möglich. Ehrenamt in Einrichtungen kann hierbei unterstützen, wenn genügend Ressourcen für deren Anleitung zur Verfügung stehen. „Hinzu kommt, dass Hilfsmittel wie Brillen oder Rollatoren von Spendentöpfen kaum gefördert werden. Es ist unglaublich wertvoll, hier zu unterstützen“, sagt Harald Wohlmann, der Bereichsleiter Armut, Wohnungsnot und Schulden bei der Caritas Stuttgart.
Digital mit Ämtern kommunizieren können
Zum anderen sollen Mittel in die Digitalisierung fließen. Wohnungslose Menschen können beispielsweise mit dem Jobcenter nur dann kommunizieren, wenn sie ein Handy haben und dieses auch gut bedienen können. „Durchklick“ ist ein Projekt, das über zwei Jahre gefördert wird mit dem Ziel, Betroffene zu qualifizieren, die dann ihr Wissen weitergeben können. Auch nach dem Förderzeitraum soll das wichtige Projekt weiterlaufen. Außerdem sollen Projekte gefördert werden, die die Teilhabe am Leben – wie Kunst, Kultur und Freizeit, aber auch die Beteiligung an Wahlen – möglich machen.
Dank an die Unterstützerinnen und Unterstützer des Glaserhauses
Für Stefanie Weibert ist die Vereinbarung mit der Caritas ein guter Anlass, um nochmals zurückzublicken: „Wir sind Roland Renz und seinen zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern außerordentlich dankbar für die wertvolle Obdachlosenarbeit, die sie unter dem Dach der Gemeinde über viele Jahre geleistet haben. Als Gemeinde war es uns wichtig, dass wir eine gute und nachhaltige Lösung im Sinne von Manfred Glaser finden.“ Pfarrer Michael Heil blickt noch ein Stück weiter zurück: „Wir können Manfred Glaser nicht genug danken. Er hat die Not der Menschen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft gesehen und gehandelt. Seine Schenkung ist ein wertvoller Beitrag für unsere Stadtgesellschaft.“