Es herrscht eine konzentrierte Stille in der kleinen Kapelle in Steinhaldenfeld. Zwei Menschen sind in ihr Gebet versunken, vorne auf dem Altar steht das Allerheiligste in goldenes Licht getaucht. Nach einer Weile ist „Schichtwechsel“. Dazugekommen ist Stanislawa Lenart-Itzel, die seit fünf Jahren bei der Ewigen Anbetung in St. Thomas dabei ist. Für die gebürtige Polin ist die Ewige Anbetung Kraftquelle, Trost und Licht im manchmal dunklen Alltag. „Ich habe viele Schicksalsschläge erlebt. Der Glaube hat mir geholfen, mit den Schmerzen und den Schwierigkeiten umzugehen“, sagt die 56-Jährige, die eigens aus Remseck im Landkreis Ludwigsburg kommt, um das Dauergebet aufrecht zu erhalten.
Stille und Zuversicht finden
In dem Pool der Betenden dabei sind auch Christopher und Manuela Hog aus Zuffenhausen. Der 29-Jährige arbeitet bei einer Unternehmensberatung und nimmt sich meist sonntags Zeit für die Ewige Anbetung: „Das Gebet gibt mir Energie und Kraft für die bevorstehende Woche. Oft komme ich noch unruhig in der Kapelle an und habe den Kopf schon voll mit den kommenden Herausforderungen. In den ersten Minuten ist das Gedankenkarussell noch da, aber nach einer Weile finde ich Stille und Zuversicht. Ich kann meine Gedanken zu Gott bringen, muss nichts leisten, darf einfach nur da sein. Nach der Anbetung freue ich mich immer auf das, was mich erwartet.“ Mit ewiger Anbetung in Berührung gekommen ist Christopher Hog nach dem Abitur in dem Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina. „Wir haben erlebt, wie international der Glaube ist. Damals habe ich zum ersten Mal erfahren, wie sinnstiftend und heilsam die Ewige Anbetung sein kann.“
“Ich kann ablegen, was auf mir lastet”
Vor vier Jahren ist das Ehepaar Hog nach Zuffenhausen gezogen und hat sich schon bald der Gebetskette angeschlossen. „Ich kann im Gebet alles ablegen, was mich beunruhigt oder auf mir lastet. Es tut gut, aus dem Trubel des Alltags herauszutreten und im Gespräch mit Gott zur Ruhe zu kommen. Er hilft mir, die Dinge aus seiner Perspektive zu betrachten und ich verlasse die Kapelle mit Frieden im Herzen“, sagt Manuela Hog. Für Diakon Martin Fischer sind gerade die nächtlichen Stunden am intensivsten, wenn die Welt draußen ruht. „Ich bete dann oft für die Menschen, die krank sind, Not erleben, im Sterben liegen.“
Das Gebet verbindet über Nationen hinweg
Um die Organisation der Ewigen Anbetung in Steinhaldenfeld kümmert sich Martin Fischer zusammen mit einem kleinen ehrenamtlichen Team. Sie führen die Excel-Tabellen und schicken dann in jeder Woche eine Benachrichtigung an alle Mitbetenden, welche Stunden noch offen sind. „Es ist ein Wunder, dass wir fünf Jahre ohne eine einzige Unterbrechung geschafft haben. Viele der Mitwirkenden freuen sich, Teil dieser sehr internationalen Gemeinschaft zu sein“, so der Diakon der Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna. Es sind Menschen aus vielen Nationen, die sich an der Ewigen Anbetung beteiligen, darunter auch viele Mitglieder der polnischen Gemeinde, die ihre Gottesdienste in St. Thomas feiert. Auch Katholiken mit kroatischen und Italienischen Wurzeln sind regelmäßig dabei. „Mich begeistert das große Engagement der vielen Beterinnen und Beter – und ebenso das herzliche und vertrauensvolle Miteinander mit unserer polnischen Gemeinde und den anderen muttersprachlichen Gemeinden. Dieses gemeinsame Tragen der Anbetung ist ein echtes Geschenk“, sagt der leitende Pfarrer Ludwig-Frank Mattes.
Tag der Anbetung am 6. Dezember
Zum fünfjährigen Jubiläum lädt die Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna am Samstag, 6. Dezember, zu einem Tag der Anbetung in die Kirche St. Augustinus (Flamingoweg 22) im Ökumenischen Zentrum in Neugereut. Beginn ist um 14 Uhr, Abschluss mit einer Messe um 18.30 Uhr.