Talk am Dom

„Es ist keine Lösung, das Jüdischsein zu verstecken“

Was bedeutet es, im Jahr 2020 als Jüdin in Deutschland zu leben? Die 21 Jahre alte Studentin Hanna Veiler wird beim nächsten Talk am Dom über ihren Alltag berichten und erzählen, welchen Einfluss die Religion auf ihr Leben hat. Die junge Jüdin ist zu Gast bei Stadtdekan Christian Hermes, der sie zu Antisemitismus, ihrem gesellschaftlichen Engagement, ihrem Glauben und ihren Erfahrungen in Israel befragen wird. Der Talk beginnt am Mittwoch, 11. März, um 19 Uhr im Haus der Katholischen Kirche (Königstraße 7).

Hanna Veiler will ihr Jüdischsein nicht verstecken Der Davidstern, den sie an einer Kette um den Hals trägt, ist ein sichtbares Zeichen für den selbstbewussten Umgang mit der Religion. Die Studentin geht offensiv mit ihrer Religion um, was auch in ihrem ehrenamtlichen Engagement zum Ausdruck kommt. Seit ihrem 15. Lebensjahr ist sie in der jüdischen Jugendarbeit engagiert, inzwischen auch als Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Studierendenunion Württembergs. „Wenn Antisemitismus in Europa steigt, ist es keinesfalls die richtige Lösung, sich zu verstecken und die Kippot und die Davidsterne abzunehmen, sondern dass es gerade richtig ist, die Kippot und die Davidsterne anzulegen und zu zeigen, dass es uns gibt und dass wir in Deutschland leben, deutsch sind und zu diesem Land dazugehören“, sagt Hanna Veiler.

Antisemitismus im Alltag ist Thema

Der wachsende Antisemitismus in Deutschland wird ein wichtiges Thema des Abends sein, wie Gastgeber Christian Hermes deutlich macht. „Der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Michael Blume, hat im vergangenen Jahr einen Bericht vorgestellt, der uns Sorge machen muss. Deutschlandweit haben sich fünf Prozent der Befragten als offen antisemitisch positioniert; hinzu kommt ein Viertel bis ein Drittel der Befragten, die latent antisemitische Haltungen vertreten. Darüber müssen wir reden.“ In ihrem Gespräch werden die beiden auch auf die Situation in Stuttgart und der Region eingehen. „Hier in Stuttgart stehen Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften ganz eng an der Seite von Jüdinnen und Juden und pflegen einen guten Kontakt und engen Austausch zur jüdischen Gemeinde“, so Christian Hermes, der gespannt ist auf den Austausch mit Hanna Veiler, die ihre persönlichen Erfahrungen und die anderer junger Jüdinnen und Juden einbringen kann.

Hanna Veiler erzählt von ihren Erfahrungen in Israel

Beim nächsten Talk wird es auch um die Situation in Israel gehen und die Bindungen der Juden in Deutschland zu dem Staat im Nahen Osten. Hanna Veiler war nach dem Abitur zum Freiwilligendienst in Israel, um mit Menschen mit Behinderungen zu arbeiten. Die 21-Jährige wird erzählen, welche Bedeutung Israel für ihr Leben hat – auch wenn sie und ihre Eltern sich für Deutschland als Heimat entschieden haben. Hanna Veiler ist 1998 in Weißrussland geboren und 2005 mit ihren Eltern nach Baden-Baden gezogen. Mit 15 Jahren begann Hanna Veiler, sich in der jüdischen Jugendarbeit zu engagieren und fuhr als Betreuerin mit zu dem Ferienlager der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. In Baden-Baden gründete sie das jüdische Jugendzentrum.

Studentin engagiert sich in vielen jüdischen Organisationen

Seit 2018 studiert Hanna Veiler Kunstgeschichte und Französisch in Tübingen und engagiert sich an vielen Stellen: seit dem vergangenen Oktober als Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Studierendenunion Württembergs, zudem als Inklusionsbeauftragte des jüdischen Jugendzentrums Stuttgart und schließlich als aktives Mitglied der Jüdischen Studierendenunion Deutschlands, wo sie unter anderem in den Arbeitsgruppe Frauen, Nachhaltigkeit und Inklusion mitwirkt. Außerdem ist Hanna Veiler regelmäßig bei Poetry Slams zu erleben.

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