Von Spendenmüdigkeit keine Spur: Insgesamt 447.692,06 Euro (Stand 5. Februar 2024) flossen seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 auf das Spendenkonto des Stadtdekanats Stuttgart. Stadtdekan Christian Hermes zeigt sich erfreut und dankbar: „Ich bin sehr beeindruckt und berührt von der großen Hilfs- und Spendenbereitschaft für die Ukraine und insbesondere für die katholische Kirche in der Ukraine und die Schwestern und Brüder, die hier nach Deutschland geflüchtet sind.“
Mit Spendengeldern Medikamente und Medizinprodukte gekauft
Hauptsächlich seien die Spenden für Medizinprodukte wie Medikamente und medizinische Geräte bis hin zu einem Krankenwagen verwendet worden, berichtet Pfarrer Roman Wruszczak von der ukrainisch griechisch-katholischen Gemeinde. „Vor kurzem haben wir einen OP-Tisch gekauft, der demnächst abgeholt und in die West-Ukraine transportiert wird“, kündigt Wruszczak an. Er betont: „Als ukrainischer Pfarrer liegt mir die Unterstützung unserer Landsleute sowohl in der Ukraine als auch hier in Stuttgart besonders am Herzen.“
Gemeinde hält zusammen
Seine Gemeinde sei in diesen Kriegs- und Krisenzeiten enger zusammengerückt. Zudem erhält die Gemeinde regelmäßig Besuch von Pfarrern aus der Ukraine. „Sie kommen für ein paar Wochen zu uns, nehmen Beichten ab und unterstützen die geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer moralisch und seelisch.“ Das helfe seinen Landsleuten sehr, weiß Wruszczak: „Viele Familien haben Angehörige im Krieg, diese Situation ist sehr belastend für unsere Gemeindemitglieder. Ihre Ängste sind allgegenwärtig.“
Hermes: „Wir bitten um einen gerechten Frieden“
Wruszczaks Gemeinde existiert bereits seit dem 2. Weltkrieg. Sie sei damals aus Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern entstanden und sei derzeit in St. Michael (Kleinhohenheimer Straße 11, Sillenbuch) untergebracht, erklärt Hermes. „Gerade auch vor dem historischen Hintergrund wissen wir um unsere Verantwortung.“ Zum Ukraine-Krieg hat der Stadtdekan eine klare Meinung: „Wir bitten um Frieden, aber einen dauerhaften und gerechten Frieden. Dazu gehört, dass die Ukraine in ihren völkerrechtlichen Grenzen vor 2014 in Freiheit und Frieden leben kann und Russland sich nicht nur zurückzieht, sondern zur Verantwortung gezogen wird.“ Der Krieg könne morgen zu Ende sein, wenn Russland sich zurückziehe. „Deshalb halte ich Forderungen an die Ukraine, zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Verteidigung einzustellen und Verhandlungen anzustreben, für verfehlt.“
Bunte Ikonen stiften Hoffnung
Ein eindrückliches Bild vom Krieg liefern die bunten Ikonen des ukrainischen Künstlerpaars Sonia Atlantova und Oleksandr Klymenko: Auf teils ramponierten und mit rostigen Nägeln gespickten Deckeln von Munitionskisten schufen sie farbenfrohe Bilder des Friedens. Noch bis Samstag, 24. Februar, sind sie auf der Galerie des Hauses der Katholischen Kirche (HdKK, Königstraße 7) ausgestellt. Im HdKK bietet auch die Stadt Stuttgart eine offene soziale Beratung für Geflüchtete aus der Ukraine an. Sie erhalten Unterstützung bei Behördenkontakt und Schriftverkehr sowie Informationen zu Wohnen und Spracherwerb. Die nächsten Sprechstunden finden donnerstags von 10.00 bis 11.30 Uhr am 29. Februar, am 14. März sowie am 28. März statt.
Hinweise:
Spenden: Katholisches Stadtdekanat, IBAN: DE63 6005 0101 0004 6461 92, Verwendungszweck: Spende Ukraine. Auf unserer Website können Interessierte mit wenigen Klicks auch hier online spenden, Stichwort Ukrainehilfe. Auf Wunsch erhalten Spender ab 300 EUR eine Spendenquittung.
Ausstellung: Die Schau „Beten mit Farben: ukrainische Ikonen auf Munitionskisten“ ist noch bis Samstag, 24. Februar, von 9 bis 19 Uhr im Haus der Katholischen Kirche (Königstraße 7, Stuttgart-Mitte) zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Ikonen können auch erworben werden.
Beratung: Die Sprechstunden der offenen sozialen Beratung für Geflüchtete aus der Ukraine der Stadt Stuttgart finden donnerstags von 10.00 bis 11.30 Uhr am 29. Februar, am 14. März sowie am 28. März im Haus der Katholischen Kirche (HdKK) statt.