Offene Kirchen

Ostern fällt nicht aus, sondern wird anders gefeiert

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Osterfeiern. Das Schöne aber ist: Ostern fällt nicht aus, sondern wird auf eine andere Weise gefeiert. Auch wenn die Menschen nicht zusammenkommen können, um den Weg Jesu vom letzten Abendmahl bis zur Auferstehung mitzugehen, so können sie doch in Gedanken verbunden sein. An Angeboten fehlt es nicht: Viele Gemeinden bieten Online-Gottesdienste aus der vertrauten Kirche und verschicken Tipps, wie die Tage von Gründonnerstag bis Ostermontag zuhause gestaltet werden können. Für Familien gibt es Vorschläge für Sofagottesdienste im Internet, für Jugendliche Instagram-Botschaften, für Senioren Ideen im Briefkasten. Die katholischen Kirchen bleiben weiterhin für das persönliche Gebet geöffnet. Die Osterkerzen in den Kirchen werden auch in diesem Jahr brennen, so dass sich die Gläubigen ihr Osterfeuer holen und mit nach Hause nehmen können.

© Von Max Kovalenko/Lichtgut

Was ist anders in diesem Jahr? Die Kirchen sind zwar für das persönliche Gebet geöffnet, aber nicht für die Gottesdienste. Dennoch werden von Gründonnerstag bis Ostermontag in vielen katholischen Kirchen Gottesdienste gefeiert und ins Internet übertragen, zum Beispiel in St. Eberhard, in St. Elisabeth und in der Liebfrauenkirche. Auch wenn keine Gemeinde vor Ort dabei ist, so können die Menschen zuhause mitfeiern: physisch getrennt, aber in Gedanken zusammen. In vielen Kirchen sind zudem Vorschläge für die Gestaltung von Gottesdiensten zuhause ausgelegt, beispielsweise in Herz Jesu, Heilig Geist und St. Nikolaus im Stuttgarter Osten sowie in St. Eberhard, St. Konrad und St. Georg in der Innenstadt. „Wir gestalten unsere vier Kirchen ganz bewusst einladend und veranschaulichen dort gerade jetzt die Botschaft der Tage der Heiligen Woche“, sagt Josef Laupheimer, der leitende Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Ost. Denn er erlebt jeden Tag: „Die Menschen sind froh und dankbar, dass sie ihre Kirchen auch weiterhin besuchen können, um in dieser schwierigen Zeit zur Ruhe zu kommen und um die Karwoche bewusst begehen zu können“, so Josef Laupheimer. Dabei gilt natürlich immer: Die Besucher sind gehalten, einzeln zu kommen und Abstand zu halten.

Menschen können sich das Licht der Osterkerzen holen

Wichtig ist den Seelsorgeteams, die Verbindung zu den Menschen gerade in dieser schwierigen Zeit zu halten. Viele Pastoralteams telefonieren deshalb regelmäßig mit den Senioren in ihrer Gemeinde. In den vier Kirchen der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Vaihingen können die Gemeindemitglieder von Gründonnerstag an Osterkerzen in der Kirche abholen und nach Hause mitnehmen. Außerdem finden die Gläubigen von Karsamstag an große Ostersträuße in den Kirchen vor, an denen sie ihr eigens gestaltetes Osterei aufhängen können. „Damit möchten wir sichtbar machen: auch wenn wir derzeit nicht zusammenkommen können, ist unsere Gemeinde bunt und lebendig“, sagt Elisabeth Schick-Ebert, die Gewählte Vorsitzende der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Vaihingen.

In station s findet sich eine künstlerisch gestaltete Osterkerze

Wenn in den Kirchen dann von Ostersonntag an die Osterkerzen brennen, dann können die Gläubigen ihre eigenen Lichter an der Osterkerze anzünden und das Osterfeuer mit nach Hause nehmen. Im Spirituellen Zentrum station s in St. Fidelis wird eine besondere Osterkerze zu finden sein, gestaltet von dem Stuttgarter Künstler Martin Bruno Schmid. Er hat aus dem Wachs der Kerze die Form des Kreuzes ausgefräst. Die entstandene Leere ist mit hellgrauem Beton aufgefüllt. „Das Wachs der Kerze wird zerfließen, ist vergänglich. Der Stein aber überdauert die Kerze. Tod und Auferstehung sind auf eine sehr eindrückliche und berührende Weise in dieser Kerze dargestellt“, sagt Kirstin Kruger-Weiß aus dem Leitungsteam von station s. Das Spirituelle Zentrum stellt auf seiner Homepage von Gründonnerstag an bis Ostermontag 15 Minuten lange Videoimpulse ein, die vom letzten Abendmahl bis zur Auferstehung führen und in denen Text und Musik eng verflochten sind.

Gemeindemitglieder beten in den Kirchen

Auf die außergewöhnliche Situation reagiert hat auch die Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Neckar. In der Liebfrauenkirche und in St. Martin feiern Pfarrer Andreas Krause und Pater Vincenzo die Gottesdienste von Gründonnerstag bis Ostermontag, die auch im Internet übertragen werden. In den Kirchen St. Ottilia, St. Rupert und St. Peter wird jeweils ein Gemeindemitglied mit Partner beten – ohne Übertragung. Aber auch dort wird am Gründonnerstag der Hauptaltar abgedeckt, an Karfreitag der Kreuzweg gebetet und schließlich am Ostersonntag die Osterkerze entzündet.

 

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