SDR beschließt Haushalt

Priorisierung, Solidarität und Verantwortung in schwieriger Zeit

Der Stadtdekanatsrat hat am 4. Dezember den Haushalt 2026 des katholischen Stadtdekanats Stuttgart verabschiedet – in einer finanziell deutlich angespannten Situation. Entkirchlichung und Mitgliederrückgang, die verschlechterte Wirtschaftslage, die Krise der öffentlichen Haushalte, die Demographie und die Kostenentwicklung stellen die Kirche in der Stadt vor große Herausforderungen. „Wir sehen uns mit der schwierigsten Finanzsituation seit vielen Jahren konfrontiert. Aber wir reagieren nicht mit Kopflosigkeit, sondern mit klarer Prioritätensetzung, Solidarität und Verantwortung. Unsere eingeübte Kultur der gemeinsamen Gestaltung hilft uns jetzt enorm“, sagte Stadtdekan Christian Hermes.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen verabschiedete der Stadtdekanatsrat einen formal ausgeglichenen Haushalt mit einem Gesamtvolumen von 78,9 Millionen Euro und einem Überschuss im Ergebnishaushalt von 3,28 Millionen Euro verabschiedet. „Wir dürfen uns nicht täuschen lassen: Dieser Überschuss ist kein Zeichen von Überfluss, sondern ein Auftrag zur Vorsicht. Wir müssen sparen, damit wir auch in Zukunft handlungsfähig sind“, mahnte die Verwaltungsdirektorin Regina Neuhöfer. 

Der Stadtdekan machte in seiner Haushaltsrede deutlich, wie stark die schwierige Finanzlage die Stadtkirche trifft: Die Kirchensteuerzuweisung der Diözese Rottenburg-Stuttgart sinkt 2026 kurzfristig um 8,7 Prozent, von ursprünglich eingeplanten 17,5 Millionen Euro auf nun 15,98 Millionen Euro. „Zum ersten Mal seit langer Zeit müssen wir mit einer realen Reduzierung der Kirchensteuerzuweisung umgehen – und Stuttgart trifft dies aufgrund seiner besonderen Struktur überdurchschnittlich“, so Hermes. Trotz der schwierigen Lage blickt der Stadtdekan nicht resigniert nach vorn. „Wir stehen nicht vor einem Stillstand, sondern vor der Aufgabe, unsere Zukunft solidarisch und entschlossen zu gestalten. Wir haben uns über viele Jahre in eine Kultur der Veränderung eingeübt – das hilft uns jetzt.“

Einbrüche durch neuen Verteilschlüssel zu erwarten

Die schwache Konjunktur genauso wie die weiter sinkenden Mitgliederzahlen wirken sich unmittelbar auf die Kirchensteuerentwicklung aus. 2025 blieben die Einnahmen bereits deutlich hinter den Erwartungen zurück, 2026 und 2027 wird mit weiteren Rückgängen gerechnet. Zugleich erwägt die Diözese für die nächsten Jahre eine grundlegende Änderung des Verteilmaßstabs, weg von der lokalen Steuerkraft hin zu einer reinen Verteilung nach Mitgliederzahl. Sollte dies kommen, würde Stuttgart ab 2029 voraussichtlich weitere Millionen an Kirchensteuerzuweisung verlieren. „Wir können nicht auf bessere Zeiten warten, sondern müssen jetzt handeln“, fasste Verwaltungsdirektorin Regina Neuhöfer zusammen. 

Verschärft wird die Lage durch die schwierige Haushaltssituation der Stadt Stuttgart. Mit 57 Kitas, 177 Gruppen und 2.987 Plätzen ist die Kirche ein großer Träger. 38,4 Mio. Euro Zuschüsse für die katholischen Kitas kommen bislang von der Stadt. Allerdings hat diese bereits Kürzungen in allen Bereichen angekündigt hat. „Das fordert uns heraus, kreativ zu sein und neue Wege zu finden, wie wir mit knappen Mitteln gute Arbeit leisten können. Und wir werden nicht umhinkommen, uns auch beim Kita-Engagement mit Konsolidierungen auseinanderzusetzen“, so die Verwaltungsdirektorin. 

Großer Gebäudebestand erfordert konsequente Entscheidungen

Eine zentrale finanzielle Herausforderung bleibt der große Immobilienbestand: 316 Gebäude, darunter 49 Kirchen, 67 Gemeindehäuser und 60 Kindertagesstätten, verursachen hohe Unterhalts- und Sanierungskosten. Die Bauschau 2024 zeigte erhebliche Investitionsbedarfe, die in ihrer Gesamtheit längst nicht mehr finanzierbar sind.

Auch deshalb ist das diözesane Programm „Räume für eine Kirche der Zukunft“, das eine Reduzierung der kirchensteuerfinanzierten Gebäudeflächen um mindestens 30 Prozent vorsieht, für Stuttgart zwingend notwendig. Viele Standorte wurden entwickelt, veräußert oder neu geplant, weitere Gemeindehäuser und auch Kirchen werden aufgegeben werden müssen. „Standorte müssen tragfähig sein – finanziell, pastoral und ökologisch. Wer nicht reduziert, wird für neue Bauprojekte keine Genehmigung erhalten“, so Stadtdekan Hermes.

Investitionen 2026: Fokus auf das Notwendige

Trotz aller Sparzwänge stehen 2026 Investitionen in Höhe von 6,21 Millionen Euro an. Priorität haben Sicherheitsanforderungen, Funktionsfähigkeit und gesetzliche Vorgaben. Investiert wird vor allem in Sakralbauten (1,78 Mio. Euro), Gemeindehäuser (1,4 Mio Euro) und Kindertagesstätten (1,7 Mio. Euro). Ein Teil der geplanten Maßnahmen muss jedoch verschoben werden – denn der investive Bedarf kann nicht vollständig aus dem laufenden Haushalt gedeckt werden.

Wie in den Vorjahren bleibt der Personalbereich der größte Kostenblock: Mit über 45 Millionen Euro machen die Personalkosten rund 60 Prozent des Ergebnishaushalts aus – geprägt von hohen Tarifsteigerungen der vergangenen Jahre. Rund 1.600 Menschen arbeiten bei der katholischen Kirche in Stuttgart, davon etwa 1.400 hauptamtlich. 

Förderung kirchlicher Arbeit in der Stadt

Von den Kirchensteuermitteln fließen 2026 insgesamt rund 11,4 Millionen Euro in die pastorale und soziale Arbeit der Kirche in Stuttgart. Dazu gehören die Gesamtkirchengemeinden mit 7,27 Millionen Euro, der Caritasverband Stuttgart mit 1,06 Mio. Euro, das Haus der Katholischen Kirche mit 358.700 Euro und die Mobile Jugendarbeit mit 198.400 Euro. „Diese Mittel ermöglichen es uns, Kirche in der Stadt zu sein – für Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren und Menschen in schwierigen Lebenslagen“, so Hermes.

Blick nach vorn: Arbeitsgruppe soll Maßnahmen erarbeiten

Der Haushalt 2026 ist solide – aber er zeigt klar, dass ab 2029 keine Überschüsse mehr erwartet werden und Rücklagen angegriffen werden müssten, wenn keine Konsolidierung erfolgt. Deshalb kündigte Stadtdekan Hermes an, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die kurzfristige und langfristige Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung erarbeiten soll – von Flächenreduktion über Verwaltungsreformen bis zur Prüfung von Synergien und Digitalisierungsschritten. Dabei dürfe das Ziel, Kirche für die Stadt zu sein, nicht aus dem Blick geraten: „So wie wir es von anderen erwarten, müssen auch wir selbst zuerst einmal Aufwand für Verwaltung und Infrastruktur senken und nicht die Mittel für die seelsorgerliche Arbeit unserer Mitarbeitenden. Wir schulden es unseren Kirchenmitgliedern, dass die Mittel, die sie uns zur Verfügung stellen, vorrangig in die eigentliche kirchliche Arbeit für die Menschen in unserer Stadt investiert werden."  Ziel aller Veränderungen müsse sein: weiterhin Kirche in der Stadt zu sein – zuverlässig, glaubwürdig und nah bei den Menschen.

Wichtige Dokumente zum Haushalt 2026

Hier finden Sie weitere Informationen zum Haushalt des Stadtdekanats:

Haushaltsrede von Stadtdekan Christian Hermes

Haushaltsrede von Verwaltungsdirektorin Regina Neuhöfer

Präsentation des Haushalts 2026 

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