Weltfrauentag (4)

„Überheblichkeit, Belanglosigkeit und Engstirnigkeit tun weh“

Mehr Bescheidenheit und das Bewusstsein, auf der Suche zu sein - das ist es, was die Theologin Angela Schmid sich wünscht. „Ich finde die Kirche einen wunderbaren Ort, eine wunderbare Gemeinschaft mit tollen, engagierten Menschen und ich arbeite immer noch mit Begeisterung in der Kirche und freue mich, berührende Gottesdienste mitfeiern zu können. Und zugleich weiß ich, wie sehr Kirche Menschen ignorieren und verletzen kann und wie viele an ihr leiden.“

Angela Schmid gibt ein Interview anlässlich des Weltfrauentages.

Wie geht es Ihnen im Jahr 2020 in der katholischen Kirche?

Sehr zweigeteilt. Ich finde die Kirche einen wunderbaren Ort, eine wunderbare Gemeinschaft mit tollen, engagierten Menschen und ich arbeite immer noch mit Begeisterung in der Kirche und freue mich, berührende Gottesdienste mitfeiern zu können. Und zugleich weiß ich, wie sehr Kirche Menschen ignorieren und verletzen kann und wie viele an ihr leiden. Ich erlebe selbst, wo ich zusammenzucke. Das macht Kirche für mich zu einer sehr "menschlichen" Einrichtung, menschlich von unserer schwächsten, aber zum Glück auch von unserer besten Seite her.

Was schätzen Sie an Ihrer Kirche?

Ich schätze die Menschen, die als Gemeinschaft von Glaubenden aktiv sind. Menschen, die Glauben, Freude, Engagement, Werte teilen und sich stark machen. Die oft auch Unangenehmes auf sich nehmen aus persönlicher Überzeugung, sei es, dass sie viel Zeit reinstecken, sei es, dass sie den Mund aufmachen und zwar da, wo es wichtig ist, Position zu beziehen. Ich schätze den Glauben und die Vielfalt der Spiritualität in der Kirche sehr.

Was tut weh?

Überheblichkeit, Belanglosigkeit, Engstirnigkeit, Gewalt und Menschen, die in der Kirche behaupten, "die Wahrheit" zu besitzen - Gott ist die Wahrheit und Gott kann keiner besitzen. Wir alle suchen. Aber manche sprechen anderen ab, genauso engagiert, erfolgreich oder auch erfolglos auf der Suche zu sein, wie sie selbst.

Welche Veränderungen wünschen Sie sich?

Ich wünsche mir Rückbesinnung auf Jesus und auf die Bescheidenheit. Es wäre schön, wenn allen klar wäre, dass wir Suchende sind. Dass wir auch 2000 Jahre nach der Zeit Jesu auf der Suche sind und nicht haben, schon gar nicht Gott "haben". Dann könnten alle gleichberechtigt und gleichwertig miteinander als Kirche unterwegs sein. Und es wäre völlig egal, welches Geschlecht, welche Spiritualität, welche Rolle jemand hätte, weil klar wäre, wir suchen und finden Gott alle auf unterschiedlichen Wegen und doch gleich. Dann ließen sich viele strukturelle Fragen von Macht bis Zölibat klären im Vertrauen und Glauben an Gott, der schon in sich selbst Vielfalt ist und uns Menschen vielfältig und als Suchende geschaffen hat.

In einem Satz: warum sind Sie dabei? Weil ich die Kirche liebe und Gott immer größer ist.

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