Haushalt 2024 verabschiedet

„Wir warten nicht auf bessere Zeiten, sondern gestalten aktiv unsere Zukunft“

Der Stadtdekanatsrat hat am 14. Dezember den kirchlichen Haushalt 2024 mit einem Volumen von 71,3 Millionen Euro verabschiedet – in einer Zeit vielfältiger Krisen. „Wir warten nicht passiv auf bessere Zeiten, sondern gestalten aktiv unsere Zukunft. Und zwar in religiöser, sozialer, kultureller und politischer Zeitgenossenschaft. Wir wollen auch künftig eine Kirche in der Stadt und für die Menschen dieser Stadt sein“, sagte Stadtdekan Christian Hermes in seiner Haushaltsrede. Die Kirche werde sich auch weiter mit Standortentwicklungen, mit Seelsorge, mit der Arbeit im Sozialraum und mit pastoralen und sozialen Angeboten in die Stadt einbringen. Auch wenn in Zeiten rückläufiger Mitgliederzahlen die finanziellen Spielräume geringer werden, sei es wichtig, mit Mut voranzugehen: „Wir evaluieren unser Projekt Aufbrechen und werden dann beraten und gemeinsam entscheiden, wie wir uns als Kirche in der Stadtgesellschaft von Stuttgart weiter entwickeln“, so der Stadtdekan.

In seiner Haushaltsrede machte Stadtdekan Christian Hermes deutlich, dass auf die katholische Kirche in Stuttgart ökonomisch herausfordernde Zeiten zukommen. Allerdings treffe es die Stadtkirche keineswegs unvorbereitet. Während die Diözese Rottenburg-Stuttgart jetzt einen Prozess der Reduzierung von gemeindlichen Gebäuden um 30 Prozent begonnen habe, könne die Stuttgarter Stadtkirche schon auf zwölf Jahre Entwicklung aufbauen. „Wir haben in den vergangenen Jahren alle unsere kirchlichen Standorte bewertet und priorisiert. Und wir haben auch schon zahlreiche Standortentwicklungen abgeschlossen oder auf den Weg gebracht. Zuletzt konnten wir in diesem Jahr die Seniorenwohnungen und die Kirche St. Johannes Maria Vianney in Mönchfeld einweihen“, so der Stadtdekan. Dieser Kurs der pastoralen Standortentwicklungen werde fortgesetzt: So wird von 2024 an die Kirche Mariä Himmelfahrt saniert und mit dem Einbau von Kita und Gemeinderäumen in der Kirche St. Ulrich im Fasanenhof ein weiteres exemplarisches Projekt umgesetzt. Im Blick sei dabei die Klimaneutralität, zu der sich das Stadtdekanat bis 2035 verpflichtet habe.

Präzisere Prognosen und Evaluation von Prozessen

Um gut in die Zukunft gehen zu können, sollen präzisere Prognosen der Mitglieder und der Steuerentwicklung für die Stuttgarter Stadtkirche entwickelt werden. Parallel dazu werde im nächsten Jahr der 2012 angestoßene Prozess Aufbrechen evaluiert werden, verbunden mit einer repräsentativen Befragung. „Auf Grundlage dieser wissenschaftlichen Auswertung wollen wir dann gemeinsam beraten und entscheiden, welche Schwerpunkte wir setzen, wovon wir uns verabschieden und was wir neu beginnen wollen. Tragen wir etwas dazu bei, dass der Krisenmodus nicht lähmt oder verrückt macht, sondern eine Zeit der Unterscheidung, der aktiven Erwartung und der Hoffnung wird“, so Christian Hermes.   

Die Eckdaten des kirchlichen Haushalts 2024

Der Ergebnishaushalt des katholischen Stadtdekanats Stuttgart hat ein Volumen von 71,3 Millionen (im Vergleich zu 67,1 Millionen Euro im Jahr 2023). In den Haushalt fließen Zuschüsse von Stadt, Land und Bund in Höhe von 32,3 Millionen Euro vor allem im Bereich der Kindertagesstätten. Die Kirchensteuerzuweisungen der Diözese Rottenburg-Stuttgart belaufen sich 2024 auf rund 16,7 Millionen Euro (im Vorjahr 16 Millionen Euro). Auf der Ausgabenseite machen die Personalkosten für die rund 1600 bei der katholischen Kirche in Stuttgart Beschäftigten mit etwa 55 Prozent (37,4 Millionen Euro) den größten Anteil aus. Die beschlossenen Tariferhöhungen von rund 11 Prozent werden in den künftigen Haushalten zu Buche schlagen. Mit Blick auf die jüngsten Beschlüsse der Stadt Stuttgart zu Ballungsraum-Zulage und offensiver Personalgewinnung appellierte der Stadtdekan, die Auswirkungen von Abwerbeprämien und Gehaltszulagen auf die Personalsituation der freien Träger nicht auszublenden, sondern in den Blick zu nehmen. „Wir brauchen kein Gegeneinander bei der Gewinnung von Fachkräften!“

Mit unverstelltem Blick auf die Realitäten schauen

Die künftige Finanzplanung ist vor allem von einer Entwicklung geprägt: den stark rückläufigen Mitgliederzahlen. Aktuelle Untersuchungen gehen bis 2040 von einer Halbierung der Kirchenmitglieder aus. „Es gilt mit unverstelltem Blick auf die Realitäten und zukünftigen Entwicklungen zu blicken und dort aktiv zu werden, wo es noch Gestaltungsspielräume gibt“, sagt Regina Neuhöfer, die Leiterin des kirchlichen Verwaltungszentrums bei der Präsentation des Haushalts. Im nächsten Haushaltsjahr investiert das Stadtdekanat Stuttgart 2,5 Millionen Euro in die Sanierung von Kirchen, 575.000 Euro in Gemeindehäuser und 929 000 Euro in den Umbau von Kindertagesstätten.

Aus dem Ergebnishaushalt des Stadtdekanats fließen 11,8 Millionen Euro weiter an die Kirchengemeinden und Einrichtungen für deren Arbeit. Dazu gehören zum Beispiel die Waldheime und soziale Dienste mit 419 000 Euro und das Haus der Katholischen Kirche mit 338 000 Euro. Unterstützt wird auch die Gesellschaft für mobile Jugendarbeit mit 190 000 Euro sowie der Caritasverband Stuttgart mit 1,1 Millionen Euro. „Lassen Sie uns gemeinsam auf dem Weg und in Bewegung bleiben. Stehenzubleiben ist keine Alternative“, ermutigte Regina Neuhöfer die Mitglieder des Stadtdekanatsrates.

Die Haushaltsrede von Stadtdekan Christian Hermes zum Nachlesen.

Hier finden Sie die Haushaltsrede der Verwaltungschefin Regina Neuhöfer.

Mehr über den Haushalt des Stadtdekanats erfahren Sie hier

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